Ketsch

Central Kirchenkino präsentiert den Film „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ / Geringe Zuschauerresonanz, aber dennoch angeregte Diskussion

Hohe Mieten sind für viele ein Problem

Archivartikel

Ketsch.„Es ist eigentlich traurig, dass heute nicht mehr Menschen hier waren, um diesen interessanten Film zu sehen und dieses Thema, welches viele betrifft, näher zu beleuchten“, stellte Gabriele Wegmann-Rey direkt nach der Filmvorführung des Dokumentarfilms „Push“, der in der Reihe Kirchenkino auf dem Programm stand, nachdenklich in Anbetracht der sechs Gäste fest.

Zuvor konnten die interessierten Zuschauer Leilani Farha, UN-Sonderberichterstatterin für das Menschenrecht auf Wohnen, auf ihrer Reise durch die Welt begleiten und es wurde nach wenigen Filmsequenzen bereits deutlich: Hier herrscht Handlungsbedarf. Die Mietpreise in den Städten schnellen in die Höhe, die Einkommen tun dies nicht, Langzeitmieter werden aus ihren Wohnungen verdrängt und anonyme Hausbesitzer, die Wohnraum rein als Kapitalanlage betrachten, lösen laut Film eine eskalierende Krise aus. Warum es sich selbst Menschen aus dem Mittelstand nicht mehr leisten können, in Städten zu leben, beleuchtet der bewegende Film ausführlich und wirft dabei einen Blick auf die „Strippenzieher“ im Hintergrund. Dass Wohnen ein Menschenrecht ist, wird bei vielen Vorgehensweisen nicht mehr berücksichtigt. Mit ihrer Bewegung „The Shift“ fördert die engagierte UN-Sonderberichterstatterin Fahra lokale, regionale und globale Aktivitäten, um ein Zuhause als Ort, an dem man in Würde leben kann, zu generieren und nicht als einen Ort, um Überschusskapital zu parken.

Engagement oft nicht ausreichend

Doch wie sieht dieses Thema hier regional aus? Gibt es genug bezahlbaren Wohnraum und wie entwickelt sich dies? Hierzu konnte Kerstin Schmid vom Caritasverband interessante Informationen weitergeben. „In den letzten 30 Tagen haben wir 90 Klienten in Schwetzingen betreut, davon waren 45 Prozent ohne festen Wohnsitz. Diese betreiben oft ,Couchhopping’, was so viel heißt wie das tageweise Unterkommen bei Bekannten und Freunden. Die Betroffenen haben oft durch Arbeitslosigkeit keine Möglichkeit mehr, ihre Miete zu zahlen, es kommt zur Räumungsklage und damit einhergeht ein Schufa-Eintrag. Mit Schufa-Eintrag ist allerdings das Finden einer neuen Wohnung schier unmöglich. Das Engagement im sozialen Wohnungsbau oder die Bereitstellung von Notunterkünften durch die Städte und Gemeinden ist leider oft nicht ausreichend“, klärte Schmid auf.

„Ich sehe hier die Kommunen in der Verantwortung, denn so fern ist das im Film gezeigte Thema nicht, wenn ich die Planungen zum ehemaligen Pfaudler-Gelände in Schwetzingen verfolge. Man muss sich hier engagieren, denn wenn jeder einzelne kritisch betrachtet, was passiert und sich an Diskussionen beteiligt, ist dies ein Schritt nach vorne. Man kann auch im Kleinen entgegenwirken und etwas erreichen“, bekräftigte Beate Günther aus Schwetzingen. Die Diskussion nach dem Film war sehr angeregt, denn fast jeder der Besucher beteiligte sich gerne, was zeigt, dass das Thema bezahlbarer Wohnraum oder Mieterhöhungen relevant und auch in nächster Nähe kritisch hinterfragbar ist.

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