Ketsch

Im Porträt Dieter Schmidt ist im Ruhestand passionierter Restaurator von Oldtimern / In den 1960er Jahren ein Gespann-Rennfahrer / „Kleines Museum“ beim Wohnhaus

Immer noch eine Menge Benzin im Blut

Ketsch.Viele spannende Ereignisse mit viel Adrenalin erlebt zu haben und ein außergewöhnliches Hobby zu betreiben, ist das eine, leidenschaftlich und mitreißend darüber berichten zu können, das ist das andere – und genau das kann Dieter Schmidt wie kein anderer. „Mein Lebensmotto ist: Glück ist Zufriedenheit, und Zufriedenheit ist Glück und ich bin immer sehr zufrieden gewesen“, betonte der 79-jährige Ketscher im Gespräch mit unserer Zeitung.

Voller Stolz zeigte er sein „kleines Motorsport-Museum“, welches er sich gleich neben seinem Wohnhaus eingerichtet hat. Hier stehen sie, die Raritäten und die Erinnerungsstücke aus den Jahren 1962 bis 1972, in denen Schmidt als aktiver Gespann-Rennfahrer zahlreiche Rennen zunächst als Ausweisfahrer, dann als nationaler Lizenzfahrer und später als internationaler Linzenzfahrer bestritt.

Seine restaurierte BMW R 51/3 Gespann Baujahr 1955 mit 500 ccm ist ein Hingucker, ebenso wie die original Rennfahrermontur, mit denen Schmidt gemeinsam mit seinem leider bereits verstorbenen Freund Willi „Schabbes“ Zeilfelder schnell unterwegs war. „Bis 1967, als uns der Motor bei einem Rennen explodierte, waren wir ein Team, ab da hat ,Schabbes’ nicht mehr fahren wollen und ich habe ein anderes Gespann gekauft. Die BMW habe ich aufbewahrt und später im Ruhestand war es mein erstes Restaurationsobjekt“, berichtete der ehemalige Justizvollzugsbeamte.

„Der ‚Schabbes’ war der mutigste Mann, den ich gekannt habe, wir waren einfach echte Freunde“, erinnerte sich Schmidt und gleich fiel ihm ein, wie sein Beifahrer und er einmal die Rollen getauscht haben und ‚Schabbes’, der normalerweise durch Hinauslehen im Beiwagen die Fliehkraft ausglich, selbst fuhr. „Er raste direkt auf eine Kurve zu, das Gespann wäre fast ausgebrochen und ich kam gerade noch an den Gasgriff“, lachte der sympathische gebürtige Brühler.

Schönste Mädchen in Ketsch

Seit dem Jahr 1963 ist er in der Enderlegemeinde, denn damals heiratete er seine Helga. „In Ketsch gab es halt schon immer die schönsten Mädchen“, ergänzte er. Und seiner Helga sei er unglaublich dankbar, dass sie ihn nicht eingebremst habe. „Zu den aktiven Zeiten waren wir ständig unterwegs, dann wurde viel am Motorrad geschraubt, dass kostete viel Zeit und natürlich Geld. Die Preisgelder damals waren überschaubar. Wenn es extrem gut lief, waren für jeden 500 Mark drin“, erinnerte er sich.

1967 wurde sein Sohn André geboren, der damals ganz stolz immer die Ehrenrunde nach einem Rennen mit seinem Papa drehen durfte, der damals mit Peter Neuschmied ein Team war. „Einmal waren wir 1970 in Bad Tölz auf einem Grasbahnrennen, von 72 Gespannen waren wir mit sechs weiteren im Endlauf und wussten nicht, ob wir eine Platzierung hatten. Wir wurden Dritte, aber das war so überraschend, dass ich den kleinen André auf der Ehrenrunde vergessen habe, da war er beleidigt“, wusste Schmidt noch genau.

Als er 1972 denn Rennhelm an den Nagel hängte, war Helga erleichtert, denn es sei eben auch immer gefährlich gewesen, beim Rennen. „Damals gab es bei weitem nicht die Schutzausrüstung, die es heute gibt“, weiß Dieter Schmidt. Ebenfalls erleichtert war damals sein Chef, der diese Entscheidung mit den Worten „bist Du endlich zur Vernunft gekommen“ kommentierte. „Bis ich 70 wurde, hatte ich immer im Kopf noch Oldtimerrennen zu fahren, fand aber keinen Beifahrer, also blieb mir das Restaurieren.“

VW Karmann Ghia im Fuhrpark

Neben „seiner BMW“ hat Dieter Schmidt in seinem Ruhestand einen VW Karmann Ghia im Fuhrpark, mit dem er gerne unterwegs ist. „Außerdem habe ich eine Ducati Baujahr 1960 mit 250 ccm restauriert, eine Ravat Baujahr 1947 mit 125ccm / 3 PS, eine Benelli Baujahr 1960 mit 125 ccm, eine Gitan Baujahr 1985 und eine 80 cmm Zündapp aus dem Jahr 2000, die straßentauglich ist. Und ein Vélosolex, also ein Fahrrad mit Motor, aus dem Jahr 1950, das steht auch noch zur Restaurierung bereit und zum Spazierenfahren steht ein 628 BMW CSI von 1976 bei meinem Sohn“, fasste Schmidt zusammen.

Ab und an geht er mit seinen Fahrzeugen auf Ausstellungen, aber die große Bühne, die brauche er nicht, betonte der Fahrzeugkenner. Wenn natürlich am 1. Mai bei seinem Motorsportclub MSC Ketsch, bei dem Schmidt seit 56 Jahren Mitglied ist, das Oldtimertreffen vor der Rheinhalle stattfindet, ist er mit dem ein oder anderen Fahrzeug dabei.

Und wer dabei oder sonst Gelegenheit hat, selbst mit der Ketscher Rennfahrlegende Dieter Schmidt ins Gespräch zu kommen, darf sich auf spannende Anekdoten und viel Wissen eines junggebliebenen Oldtimerkenners und Rennexperten freuen.

Info: Weitere Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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