Ketsch

Katholische Kirchengemeinde Zahlreiche Gläubige zelebrieren eine stimmungsvolle Osternachtsmesse in der Kirche St. Sebastian

Jesus Christus ergreift Partei für das Leben

Archivartikel

Ketsch.Hell loderte das Feuer vor der katholischen Kirche St. Sebastian, umringt von Gläubigen, die sich zur Feier der Osternacht eingefunden hatten. „Zur nächtlichen Stunde sind wir zusammengekommen, um Ostern zu feiern, den Höhepunkt des Kirchenjahres“, begrüßte sie Pfarrer Erwin Bertsch. Die Osternachtsmesse beginnt traditionell mit dem Entzünden der Osterkerze am Osterfeuer. „Dieses Feuer ist das Symbol für Christus, es erhellt die Nacht und bringt Gottes Licht zu den Menschen“, sagte der Pfarrer, bevor er in einem Zeremoniell die große Osterkerze anzündete und segnete.

Stimmungsvoller Lichterzauber

Nur durch das Licht der Osterkerze erleuchtet, zogen anschließend die zahlreichen Gläubigen zusammen mit Pfarrer Bertsch und den Ministranten in die dunkle Kirche ein. Nach dem Ruf „Lumen Christi“ wurde hier das Licht von der Osterkerze an die vielen Kerzen der Gottesdienstbesucher weitergegeben, so dass sich ein stimmungsvoller Zauber in der Kirche ausbreitete.

Mit Liedern, Lesungen sowie mit Gebeten, Gesang und dem Abendmahl feierte die Gemeinde die Auferstehung des Herrn. Musikalisch gestalteten die Orgel sowie der Chor „4Tones“ unter der Leitung des Dirigenten Mathias Buchta die Feier aus. Im Gottesdienst wurde auch das Taufwasser gesegnet und das Taufversprechen erneuert.

Was das Besondere an der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag ist, machte Pfarrer Erwin Bertsch in seiner Predigt deutlich. Er ging von der „Kleinen Fabel“ Kafkas aus, in der die Maus sagte: „Ach, die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ Darauf riet ihr die Katze: „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, und fraß sie.

Das sei ein Bild unseres Lebens, meinte der Pfarrer, erst liege es unbegrenzt und voller Möglichkeiten vor uns, mit den Jahren würden die Mauern sichtbarer, an deren Ende die Todesfalle steht. Keine Macht der Welt könne diesen Prozess aufhalten. Von dieser Situation geht auch das Evangelium aus. Es erzählt nicht von einem Osterspaziergang in der erwachenden Natur – die drei Frauen sind auf dem Weg zum Grab. In ihrer Hoffnungslosigkeit bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Leichnam mit Salben und duftenden Kräutern zu behandeln.

„Wer könnte uns den Stein vor dem Eingang des Grabes wegwälzen?“, fragten sie sich, diesen Stein, der groß war und unüberwindlich wie die hohen Mauern, in denen sich die Maus Kafkas verfing. Er, der Stein, ist die Grenze, die das Leben vom Tod trennt, so der Pfarrer, „und wir stehen heute trotz technischen Fortschritts ebenso ohnmächtig und hilflos davor wie die Frauen am Morgen jenes ersten Wochentags“.

Der Tod ist unwiderruflich, das Leben endet am Grab. „Am diesem Nullpunkt menschlicher Existenz, dort, wo wir mit unserem Wissen buchstäblich am Ende sind, da beginnt Gott.“ Er brachte den Stein ins Rollen, die Mauern zum Einstürzen, die Todesfalle wurde durch Jesus aufgebrochen. Jesus hat sich dem Tod nicht entzogen, sondern spürte dessen Mächte auf, um sie zu überwinden. Es komme nicht von ungefähr, sagte Pfarrer Bertsch, dass gerade am Ort des Todes die Auferstehung verkündet wird. Jesus ergreift von Anfang an Partei für das Leben, denn mit der Auferstehung Jesu „ist der Tod in die Ecke getrieben, er, der Tod, sitzt in der Todesfalle, Jesus wird zum Anführer eines neuen Lebens.“ Wie ist das zu verstehen? Jesus spürte die Mächte des Todes auf und hat mit seiner Auferstehung den Kreislauf vom Werden und Vergehen durchbrochen, er ist den Weg vom Tod zum Leben gegangen. „Nicht Komplizen des Todes sein, sondern des Auferstandenen“, so die eigentliche Botschaft des Ostergeschehens, „denn dann werden wir uns nicht mit den Mächten des Todes einlassen, sondern uns allem widersetzen, was Leben und Schöpfung kaputtmacht“.

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