Ketsch

Jobradfreu(n)de

Archivartikel

Ich bin dankbar, dass ich das Angebot des Jobrads (www.jobrad.org) annehmen konnte. Immerhin 500 E-Bike-Kilometer habe ich von daheim in die Redaktion und wieder zurück über diverse Male schon in den Beinen. Während die Fitness sukzessive steigt und die Pfunde langsam purzeln, die ich über Weihnachten und Neujahr an jedem guten Vorsatz vorbei dann doch wieder draufgepackt habe, kam ich so in die Lage, neue Bekanntschaften zu machen: die Pferde auf der Koppel der Aussiedlerhöfe Siegelhain. Also jedenfalls freue ich mich, wenn ich an ihnen vorbeifahre auf dem Weg von Speyer über die Salierbrücke nach Ketsch und Schwetzingen. Einmal habe ich sogar gewunken, um meinem gedanklichen Guten-Morgen-Wunsch sichtbar Zeichen zu verleihen.

Wie sehr sich die Tiere allerdings freuen, wenn sie mich sehen – darüber habe ich mir von Anfang an ebenfalls Gedanken gemacht. Bei Minusgraden drehen sie einem kaum den Kopf hinterher. Und, sorry, im Winter sieht man als Pedaleur doch nochmals grauenhafter aus als eh schon. Was würde ich denken, wenn ich einem behelmten, vermummten, dennoch gesichtsgelähmten und hechelnden Etwas begegnen würde? Pferde sind bekanntlich Fluchttiere und, zugegeben, eigentlich müssten sie vor mir weglaufen. Ich jedenfalls, ich würde als Pferd vor mir flüchten.

Die Kopfbedeckung moderner Fahrradfahrer ist freilich hochnützlich und aus Sicherheitsgründen nicht wegzudenken – aber schöner wird sie deshalb noch nicht. Bis zum E-Bike habe ich mich dagegen gewehrt. Erstens ist die Frisur versaut, die beim Waschen und Legen feinsäuberlich gefühlt in Planquadrate unterteilt wurde, und zweitens verleiht das Teil eine Kopfform, die seit dem Film „Die Coneheads“ mit Dan Aykroyd nicht schlimmer hätte ausfallen können.

Meine Söhne rieten mir aus diesem Grunde zu diesen geschlossenen Helmen. Da sah ich dann vollends aus, als laufe ich vor Darth Vader davon, gerade vom Star Wars-Treffen enteilt, weshalb ich dankend ablehnte – zumal der Preis bei Marken, die gerade in sind, gerne weit über dem tatsächlichen Gegenwert liegt.

Regenhose und -jacke, Schoner an Armen und Beinen, verschiedene Utensilien mit Reflektoren und schließlich die Satteltasche – man behängt sich als Radler bis zum Äquivalent einer mobilen Leuchtreklame. Zum Glück gibt es Kollegen, die es noch schrecklicher betreiben.

Aber ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken: Ich bin dankbar fürs Rad. Auch weil ich mir Gedanken machen kann, was Pferde über mich denken. Beim Radeln kann man eh herrlich nachdenken. Dabei stehe ich bei gesperrter Salierbrücke kaum im Stau.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional