Ketsch

Kein Geld mehr da

Archivartikel

Ein wenig absurd mutet das Prozedere schon an: Da lassen sämtliche im Gemeinderat vertretenen Parteien ihrer Fantasie freien Lauf und erarbeiten zusammen mit Bürgern die unterschiedlichsten Ideen für einen optimierten Busverkehr. Pendler bringen sich ein und weisen auf Probleme bei ihren alltäglichen Fahrten hin, neue Linienverläufe und Anschlüsse werden ausgebrütet. Und am Ende scheint lediglich eine Haltestelle für ein drei Jahre altes Neubaugebiet machbar, an dem der Bus bislang immer vorbeigerauscht ist. „Viel Theater um nichts“, mag ein Beobachter da seufzen.

Der Grund für das ernüchternde Ergebnis liegt aber auf der Hand: Es geht schlicht ums Geld. Schon kleine Veränderungen im Taktablauf steigern die Kosten, zusätzliche Linien sind für die betroffenen Kommunen inzwischen kaum noch bezahlbar. Denn zur Kasse gebeten werden alle beteiligten Städte und Gemeinden – und letztlich alle Steuerzahler, denn die Einnahmen durch Tickets finanzieren bundesweit nur einen Bruchteil des kostspieligen Nahverkehrs.

Eigentlich gilt die Verkehrswende als großes politisches Ziel – nicht mehr nur bei den Grünen. Doch was schon vor der Corona-Krise kaum finanzierbar war, wird künftig unmöglich werden. Die enormen Summen an staatlichen Rettungsgeldern, die seit dem Frühjahr ausgegeben werden, und die historisch niedrigen Steuereinnahmen werden noch lange ihre Spuren hinterlassen. Das sehen auch fast alle Parteien im Ketscher Gemeinderat ein, so dass auf große Pläne schnell die Einschränkung folgt, dass davon wohl kaum etwas umsetzbar sein wird: Es seien eher „Wunschvorstellungen“, es sei einfach kein Geld mehr da. Die Fahrgäste auf den Linien 710 und 717 werden sich mit dem Status quo also vermutlich noch lange Jahre zufriedengeben müssen.

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