Ketsch

Schatzkiste des Heimatmuseums (Teil 10) Mit dem Bohnerbesen lassen sich Holz- oder Linoleumböden auf Hochglanz polieren

Kinder als zusätzliches Gewicht

Archivartikel

Ketsch.Es gibt fast nichts, das einer Wohnung mehr Flair und heimelige Wärme verleiht als ein Boden aus Echtholz. Die natürliche Maserung der Dielen und das damit verbundene Farbspiel der Braun- und Rottöne verströmt Wohlgefühl. Das Holz, wie auch viele andere Bodenbelagarten, bedarf jedoch spezieller Pflege.

Ist der Boden frisch verlegt oder nach langer Benutzung unansehnlich geworden, haben sich Pflegemittelrückstände oder ähnliches darauf abgesetzt, wird mit Hobel, Ziehklinge oder neuzeitlich mit entsprechenden Schleifmaschinen, die Oberfläche abgetragen.

Weißes und gelbliches Wachs

Weißes und in einer Beimischung gelbliches Wachs wurden früher verflüssigt und aufgetragen – heutzutage verwendet man fertig emulgierte Produkte, die leicht einzuarbeiten sind. Immenser körperlicher Aufwand war noch vor Jahrzehnten notwendig den gewünschten Glanz zu erreichen. Mit Bürsten, wollenen Tüchern und Korkauflagen wurde der vorbehandelte Boden malträtiert. So gebohnerte Böden – Bohnern nennt man das beschriebene Versiegeln und Polieren von Fußböden aller Art – müssen jährlich mindestens einmal von Neuem mit Wachs gesättigt und außerdem, je nach der Nutzung, oft mit Bürsten und wollenen Lappen abgerieben werden.

Früher fast in jedem Haushalt

Dann kommt der Bohnerbesen (auch: Bohnerblocker, Bohnerkeule, Blocker) zum Einsatz. Bis in die frühen 1970er Jahre war das Haushaltsgerät beinahe in jedem deutschen Haushalt vorhanden.

Es bestand aus einem gusseisernen Block, war ungefähr 15 mal 20 mal 10 Zentimeter groß und fünf bis zehn Kilogramm schwer. Versehen mit einem Bürstenbelag an der Unterseite, der über ein Kugelgelenk an der Oberseite mit einem Arbeitsstiel beweglich verbunden war, wurde das Bohner-Hilfsmittel komplett.

Die Seiten des Gussblocks waren zur Schonung der Möbel mit Filz beklebt. Mittels hin- und herbewegen des schweren Arbeitsgeräts wurden Holz- und Linoleumböden auf Hochglanz poliert. Oft durften kleine Kinder auf dem Gerät „mitfahren“, eine Gaudi für den Nachwuchs und effektiv, denn das zusätzliche Gewicht des Kindes verbesserte das Glanzergebnis.

Wieder vermehrt im Einsatz

Heute wird das Gerät wieder häufiger eingesetzt, da geölte und gewachste Holzböden in Mode sind. Bohnerbesen gibt es nicht in jedem Haushaltswarengeschäft und erst recht nicht im Supermarkt. Man muss schon ein wenig danach suchen, denn dieses klassische Haushaltsgerät ist heute nur noch selten zu finden. Man wird aber im Internet fündig.

Zusätzlich zum Bohnerbesen gibt es bis heute die Bohnermaschine oder den elektrischen Bohnerbesen, der aber mit dem abgebildeten Allerwelts-Arbeitsgerät kaum etwas gemein hat und schon früher nur für öffentliche Gebäude eingesetzt wurde. Diese Maschinen haben runde, sich drehende Teller oder Scheiben, die mit weichen Auflagen versehen werden. zesa

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional