Ketsch

Kostbare Natur Hagebutten sind bald reif / Leckere Marmelade oder vermaledeites Juckpulver

Kinder nennen sie oft derb „Arschkitzel“

Archivartikel

Ketsch.Es gebe in dieser Saison sehr viele davon, ist vom Ketscher Günther Martin zu erfahren. Die „Arschkitzel“ seien bald reif und daraus könne man ein Juckpulver machen – zumindest nach einer witzigen Kindheitserinnerung.

Derjenige, der weiß, was eine „Arschkitzel“ ist, verweist ganz sicher auf die Rosenfrüchte, die auch Hagebutten genannt werden. Die Hagebutte, die gesammelt wird, um Marmelade zu machen, enthält kleine Samenkerne. An den Samenkernen sind winzige Haare dran, die früher als Juckpulver Verwendung fanden. Denn sie kitzeln am Hinterteil, wenn man sie einem hinten in die Hose reinsteckt. Das war ein gern genommener Kinderstreich. Und daher stammt auch der Name: „Arschkitzel“.

Der Name Hagebutte, der Frucht einer Hundsrose, setzt sich folgendermaßen zusammen: Ein „Hag“ ist ein Dornbusch oder ein dichtes Gebüsch, während „Butte“ verwandt ist mit „Butze“, also Kerngehäuse. Eine andere Deutung bezieht sich darauf, dass die Hundsrose überall wächst, also „hundsgemein“ ist, wobei „gemein“ hier im Sinn von „gewöhnlich“ gebraucht wird.

„Ein Männlein steht im Walde“

Die Hagebutte, die im Kinderlied „Ein Männlein steht im Walde“ besungen wird – nicht wie oft angenommen der Fliegenpilz – kann derweil noch mehr als „nur“ jucken. Die roten Früchte der Heckenrose sind als roter Hagebuttentee reich an Vitamin C und ein gutes Hausmittel gegen Erkältungen.

Die Hagebutte spielt auch heute noch eine wichtige Rolle in der Volksheilkunde und in der Homöopathie.

So ist frisches Hagebuttenmus wirksam und empfehlenswert, wenn man einen deutlichen Vitamin C-Mangel hat. Ein Esslöffel Hagebuttenmus deckt den Vitamin C-Bedarf eines Erwachsenen, heißt es. Hagebuttenmarmelade auf dem Brot sei zwar nicht ganz so gehaltvoll, aber sicher eine gesunde und wohlschmeckende Abwechslung auf dem Frühstückstisch. Und als Bachblüte „Wild Rose“ steht die Heckenrose für die Hoffnung und Lebensfreude.

Wer die Hagebutten roh essen möchte, sollte Stiel und Kelch entfernen. Und die kleinen Kerne aus den roten Früchten müssen raus – auch die sie umgebenden feinen Härchen. Das Innere, die „Arschkitzel“, sind für den Verzehr ungeeignet.

Die Hagebuttensaison beginnt im Spätsommer. Die reifen Früchte können ab etwa September gepflückt werden. mab

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional