Ketsch

Central Film „Die Lebenden reparieren“ absolut realitätsnah / Diskussion mit Dr. Thomas Kirschning und Kevin Otero über schwere Entscheidung der Angehörigen

Kirchenkino thematisiert Organtransplantation

Ketsch.Simons Mutter ist verzweifelt, will nicht glauben, dass ihr 17 Jahre alter Sohn wirklich nicht mehr ins Leben zurückkehren kann. Sein Hirn ist tot, seine Lebensfunktionen von Maschinen am Laufen gehalten. Das sehr emotionsbelastete Thema Organspende ist Inhalt des Kirchenkino-Films im Mai und mit mehr als 50 Gästen sehr gut besucht.

„Wir freuen uns, dass trotz des oft mit dem Tabu behafteten Themas so viele Menschen gekommen sind“, betont Matthias Rey aus dem Kirchenkino-Team. Es gebe sicher auch viele, die sich das schwierige Thema nicht antun wollen, lobte er den Mut der Anwesenden, die im Anschluss überraschenderweise zwei kompetente Fachleute als Ansprechpartner hatten. Intensivmediziner und Transplantationsbeauftragter am Universitätsklinikum Mannheim, Dr. Thomas Kirschning und Kevin Otero, Koordinator der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DOS) in Heidelberg, fühlen sich gleich wohl im heimeligen Central-Kino.

Zuerst aber gibt es den Film „Die Lebenden reparieren“ von Katell Quillévérés zu sehen. Junge Leute gehen surfen, auf dem Nachhauseweg gibt es einen Unfall. Simon (Gabin Verdet) ist nicht angeschnallt und nach dem Crash hirntot. Ein Film, den später Kirschning als „absolut realitätsnah dargestellt und erzählt“ kategorisiert. Der Zuschauer lernt Thomas Rémige (Tahar Rahmin) als Koordinator im Krankenhaus kennen. Er hat die Aufgabe den Eltern von Simon die Frage nach der Organspende zu stellen. Schwierig für die Eltern, eine Entscheidung zu treffen. Mit den Erklärungen des Koordinators wird es leichter. Dass eine Organspende Leben rettet, zeigt bildhaft der dritte Handlungsstrang: Die Mutter zweier Söhne sieht direkt beim Erwachen nach erfolgreicher Herz-Transplantation die Sonne für ihr weiteres Leben aufgehen.

Es ist still im Kino, während des Films. Erst im Abspann kommt etwas Bewegung in den Saal, wenige Besucher gehen schon. Viele haben Fragen. Doris Steinbeißer vom Kirchenkino-Team übernimmt die Moderation: „Ein sehr unter die Haut gehender Film“, trifft sie den Nagel auf den Kopf – doch entspricht das gesehene der Realität? Dr. Thomas Kirschning stellt klar: „Sehr beeindruckend, sehr realistisch, da war sehr viel Sachverstand dabei, die dargestellte Situation ist durchaus vergleichbar.“

„Körper ohne Kopf“

Aus dem Publikum kommt die Frage nach Alter und Zustand der Spenderorgane: „Vor zwei Jahren haben wir einem 90-jährigen Spender die Leber entnommen, die in einem sehr guten Zustand gewesen ist“, erklärt Kirschning. Vom „Körper ohne Kopf“ spricht er, um zu verdeutlichen, dass ohne funktionierendes Gehirn, das, was wir Leben nennen, nicht existiert. Dass es ganz wichtig sei den Angehörigen zu erklären, wenn man vorhat nach dem Tod seine Organe zu spenden, „das macht die Entscheidung im Moment, in dem so vieles verarbeitet werden muss, einfacher.“ Sinnvoll sei auch im letzten Willen darzulegen, welche Organe man spenden möchte.

Kevin Otera von der DOS erklärt, dass es Angehörigentreffen gibt, man aber nur erfahre, ob ein Erwachsener oder ein Kind das Organ bekommen hat und wie es dem Empfänger geht. „Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die meisten Angehörigen einfach abschließen wollen mit dem Todesfall und allem.“

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