Ketsch

Geschäftsleben Das Ensemble "FabuLust" erzählt bei Buch & Manufakturwaren mit Bildern und Musik fantastische Geschichten verschiedener Kulturkreise

Klangreise in verloren geglaubte Märchenwelten

Archivartikel

Ketsch.Zu einem großartigen Abend wurde die "Märchenhafte Klangreise" bei Michelfelders mit dem Ensemble "FabuLust". Und das nicht nur wegen der wundersamen Verwobenheit von Klang, Bild und Text, sondern ganz besonders wegen der Märchenerzählerin Irmela Kopp, die das Publikum mit viel Fantasie und Witz in eine längst verloren geglaubte Märchenwelt entführte und es zum Staunen sowie Lachen brachte.

Unmittelbar auf das Erzählte reagierten die eingeflochtenen Musikminiaturen, die ein musikalisches Fenster in diese zauberhafte Welt der Märchen öffneten. Der verführerische Schmelz von Bernadette Packs Sopran und die staunenswert sicher gemeisterten Koloraturen der Altistin Martina Heinrich, einfühlsam von Bern Kreissig am Klavier begleitet, gaben mit Kompositionen von Johannes Brahms, Edvard Grieg, Fanny Hensel und Robert Schumann dem Abend ein prägnantes, eigenes Profil.

Und Gabriele Hönig, Inhaberin von Buch & Manufakturwaren, freute sich, ein so zahlreiches Publikum begrüßen zu dürfen bei einer Veranstaltung, die viel Licht und Wärme in diese graue Novemberzeit brachte. Auch ihr Team sorgte mit köstlichen Häppchen und heißen Getränken für betont gute Stimmung.

"Kindern erzählt man Märchen, damit sie besser einschlafen", sagte Kopp zu Beginn, "Erwachsenen, damit sie wach werden." Zum Einschlafen waren die Geschichten auf keinen Fall, denn Irmela Kopp gab auf so lebendige Art die Märchen wieder, dass man nicht genug davon bekommen konnte. Quer über die Welt verteilt und passend zu dieser Jahreszeit hat sie vier ausgesucht, die "alle mit viel Liebe und mit Wärme zu tun haben", wie Kopp sagte.

Kühle Eleganz in Wort und Bild

Das mittelalterliche Märchen "Der Krieger und das gläserne Herz", mit dem sie begann, unterlegte die Erzählerin mit Bildern des dänischen Jugendstil-Künstlers Kay Nielson, der zahlreiche nordische Märchen illustriert hat. Seine langgezogenen Figuren strahlten eine kühle Eleganz aus, wirkten intensiv und unnahbar zugleich.

Der Inhalt des Märchens wurde im Zusammenspiel mit diesen Illustrationen ganz besonderes anschaulich. Man hatte tatsächlich das Gefühl, dass die Bilder funkeln und glitzern und den Zuhörer förmlich in die Geschichte hineinzogen.

Auch die anderen Märchen, die Kopp frei, mit eigenen Worten, erzählte, waren mit Bildern unterlegt, die das Geschehen illustrierten. Beim Märchen "Die Mondfee", das in China sehr beliebt und bekannt ist, flocht Kopp sogar chinesische Wörter ein, um das Spezifische des Reiches der Mitte zu unterstreichen.

Große Begeisterung rief Kopp mit "Katja und der Teufel" aus der Slowakei hervor, zu dem sie Grafiken des Heidelberger Künstlers Hannes Hübner zeigte. Auch diese passten wunderbar zum Humor des Textes, denn ihnen saß der Schalk ebenfalls im Nacken. Eingebunden in Bildern aus einem Mondbuch erzählte sie schließlich ein Märchen aus der Oberpfalz, das eine Liebesgeschichte zwischen Mond und Sonne zum Thema hatte.

Papiertheaterkunst vorgestellt

Mit lang anhaltendem Applaus belohnte das Publikum die Leistung der Mitwirkenden. Bevor Gabriele Hönig die Gäste entließ, erzählte Bernadette Pack, wie es zum Ensemble "FabuLust" kam, und Irmela Kopp über die alte Tradition des Papiertheaters, das sie und ihr Mann als begeisterte Theaterliebhaber heute wieder belebt haben. Im 19. Jahrhundert war es sehr beliebt, sagte sie, das Bürgertum holte sich auf diese Weise das Theater in die Wohnstube und zimmerte aus farbigen Bilderbogen Kulissen, Figuren und Requisiten. Aus Textbüchern las man in verteilten Rollen vor, Figuren wurden an Drähten oder Holzstäben beweglich, Hausmusik untermalte die Szenerie. Zum Repertoire gehörten neben Märchenklassikern auch Goethes Faust.

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