Ketsch

Heimatmuseum „Tacheles“ begeistert mit jüdischer Volksmusik

Klezmermelodien lassen viel Lebensfreude erspüren

Archivartikel

KETSCH.Im Heimatmuseum gibt es immer etwas Neues zu entdecken und zu hören. Dieses Mal konzertierte die Kurpfälzer Klezmerband „Tacheles“ mit Wolfgang Glatzel (Akkordeon), Robert Plasberg (Violine), Alexander Rautnig (Klarinette), Dagmar Kunze (Kontrabass) und Christian Tönnes (Horn) im Museumsgarten.

Die Musiker präsentierten einen Hörgenuss nach dem anderen. Bei einigen Interpretationen erinnerten sich die Gäste an das Musical „Anatevka“ und den Ungarischen Tanz Nummer 6 von Johannes Brahms, denn auch bei „Tacheles“ fingen die Melodien oft gemächlich an und steigerten sich im Tempo zu überschäumender Lebensfreude.

„Wir setzen mit Klezmer eine alte Volksmusiktradition der jüdischen Musiker Osteuropas fort. Einflüsse aus Ungarn, Rumänien, der Ukraine und Polen haben sich im Laufe der Zeit zu einer ganz eigenen typischen Musik verbunden. Da wurden unterwegs Melodien aufgeschnappt und aufgeschrieben oder mündlich überliefert. Diese wurden dann für die Musiker arrangiert und improvisiert”, erklärt Wolfgang Glatzel. Früher war Klezmer Gelegenheitsmusik für Dorffeste und Familienfeiern – von der Hochzeit bis zur Beerdigung. Daher können besonders Geige und Klarinette sowohl Lachen als auch Weinen zum Ausdruck bringen.

Im Holocaust ist mit den Menschen auch diese Musik verschwunden. Seit den 1970er Jahren formiert sich wieder eine Szene für Klezmer. Glatzel fand vor vier Jahren seine Liebe zu diesem Musikstil, rasch hatte er auch Plasberg begeistert. Sie spielten anfangs „jiddische Tänze“, wie „Freylack” oder „Kolomeyke” aus der Ukraine. Später kamen Rautnig und Tönnes mit ihren Instrumenten dazu. Kunze ist mit ihrem Kontrabass seit zwei Jahren mit von der Partie.

Auf der Bühne präsentierten die fünf Musiker ihre schönsten Melodien, wie „Un as de Rebbe lachet” - eine Beschreibung des Rabbiners – oder „Nacht in Gan Eydn” – die Nacht im Garten Eden. „Beigalach” war ein Beispiel für Steigerung von traurig zur überschäumenden Fröhlichkeit. „Di grine Kusine” erinnerte an die unverheiratete Cousine, und „Unzer Nigndl“, also das kleine Liedchen, wird im fröhlichen Kreis gesungen.

Besondere Höhepunkte servierte Alexander Rautnig als Gesangssolist mit Beiträgen wie „Ale Brider”(Wir sind alle Brüder) riss er die Zuhörer zu Beifallsstürmen hin. gp

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