Ketsch

Bündnis 90/Die Grünen Technische und ökonomische Voraussetzungen sind machbar

„Klimaneutralität ist zu 100 Prozent umsetzbar“

Archivartikel

Ketsch.Eine in der Wissenschaft unstrittige Tatsache sei, dass Klimaschutz notwendig ist, heißt es in einer Pressemitteilung von Bündnis 90/Die Grünen. Auch wenn es schon immer Warm- und Kaltperioden in der Erdgeschichte gegeben habe, führe doch heute selbst eine minimale Erwärmung bei sieben Milliarden Menschen und dem exzessiven Lebensstiel der Wirtschaftsnationen, sehr schnell zu einer zuerst klimatischen, dann aber wirtschaftlichen Katastrophe. Doch erst seit Kurzem setze sich auch die Erkenntnis durch, dass eine 100-prozentige Klimaneutralität sowohl technisch machbar ist, als auch ökonomisch sinnvoll sein könne.

„Was wir brauchen ist nicht weniger als eine Vollbremsung. In Deutschland hat sich in den letzten Jahren wenig getan. In Ketsch ist der Pro-Kopf-Verbrauch sogar gestiegen bis 2017“, schreiben die Grünen in der Enderlegemeinde mit Blick auf die CO2-Ausstoß pro Kopf.

„Die Kreisrätinnen und Kreisräte des Rhein-Neckar-Kreises, darunter der Grüne Günther Martin aus Ketsch, nehmen dieses Thema nun in den Blick, da die nächsten Jahre als die entscheidenden im Kampf gegen den Klimawandel angesehen werden. Mit Fachvorträgen und Fachleuten wurden per Videokonferenz Möglichkeiten und Potenziale diskutiert. Die Kreistagsgrünen hatten zu dieser interfraktionellen Veranstaltung eingeladen. Der genau richtige Zeitpunkt, wie sich im Laufe der Diskussionen zeigte.“

Umstieg auf erneuerbare Energien

Die Wissenschaft fordere dabei einen völligen Umstieg auf erneuerbare Energien in den nächsten 15 bis 20 Jahren, teilen die Grünen mit. „Aber wie können wir Benzin, Gas, Heizöl und Kohle so schnell durch erneuerbare Energien ersetzen, die idealerweise auch noch in der Region gewonnen werden?“

Einsparung durch Dämmung

Physikerin und Ingenieurin von Oehsen habe eine solche Planung für die Stadt Heidelberg bereits erstellt und die Zahlen präsentiert: Dies könne nur gelingen, wenn Einsparungen und neue Energiequellen gleichermaßen genutzt würden. Einsparungen könnten dabei durch Gebäudedämmung, Verbrauchsreduktion oder Effizienzsteigerungen erzielt werden. Gute Beispiele zur Einsparung gebe es viele, so habe die Stadt Wiesloch eine große Anzahl ihrer Straßenlaternen mit Bewegungsmeldern ausgestattet und damit viel Strom gespart.

Neue Energien könnten gerade in unserer Region aus Solarthermie, Geothermie, Flusswasserwärmepumpen und Biomasse gewonnen werden. Hier müsse vorrangig die Solarthermie ausgebaut werden. Wer eine solche Anlage habe, erzeuge warmes Wasser über die Sommermonate.

All das sei heute technisch schon möglich. Die Diversifizierung schaffe zudem ein großes wirtschaftliches Potential, denn sie schaffe neue Innovationen und Arbeitsplätze, teilen die Grünen mit.

Damit gelinge auch der angestrebte Mix aus Ökologie und Ökonomie. Dieses magische Duo sei lange keine Fantasie mehr, sondern heute schon faktische Realität. Und das Bewusstsein in der Bevölkerung sei da, „und wenn nicht jetzt wann dann?“, so der Grünen-Ortsverband.

Die bereits heute erzeugte erneuerbare Energie, die bisherigen guten Erfahrungen und die leider immer noch hohe Anzahl an Ölheizungen, stellten das Potential dar. Das existierende Nahwärmenetz stelle dabei wichtige Infrastruktur dar, die weiter genutzt werden müssten. Nur die Windenergie müsse in unserer Region noch erschlossen werden, so der Geschäftsführer der Heidelberger Klimaberatungsagentur Kliba, Dr. Klaus Keßler.

Wichtig ist nun das von 2012 stammende Klimaschutzkonzept des Kreises auf den technisch neusten Stand zu bringen und das Projekt insgesamt vom Ende her zu denken. Ein verfehlen der Pariser Ziele will keiner! Es herrschte ein ermutigender Konsens unter den demokratischen Fraktionen des Kreistags, dass man im Bereich Klimaschutz nun Tempo machen müsse. Nach der Sommerpause werden diese Erkenntnisse und Strategien Eingang in das neue Klimaschutzkonzept des Kreises finden.

Positive Folge von Corona

Dabei hätten alle ein positives Fazit der Veranstaltung gezogen: „Viele Themen profitieren davon, wenn die Mitglieder des Kreisrats nach gemeinsamen Lösungen über Fraktionsgrenzen hinweg suchen“, so Grünen-Fraktionssprecher Ralf Frühwirt. „Das ist vielleicht mal eine positive Folge der Corona-Situation: Unaufwändige Onlinekonferenzen, die inzwischen Standard sind, erleichtern diese Art des Austauschs ungemein.“ Und man spare viel Energie, wenn man weiter diese jetzt getesteten Onlinemöglichkeiten nutze, teilen die Grünen abschließend mit. zg

Info: Klimastatistiken unter www.klimaschutz-rnk.de

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