Ketsch

Porträt Gabriele Wegmann-Rey engagiert sich in der katholischen Kirche und in der Flüchtlingshilfe / „In der Telefonseelsorge gibt es nichts, was es nicht gibt“

Kontakt schätzt sie als Quelle der Inspiration

Ketsch.Leise summen Bienen, Vögel zwitschern in der grünen Oase der Familie Rey. Eine entspannte Atmosphäre herrscht im Schatten auf der Veranda, wir plaudern – Gabriele Wegmann-Rey erzählt von sich, ihrem Leben, ihrem Engagement. Die Frau mit dem flotten Kurzhaarschnitt, der die grauen Haare zur Geltung bringt, lebt gerne in Ketsch. Vor 28 Jahren kam sie hierher: „Hochschwanger“, sagt sie, damals noch mit einem anderen Mann verheiratet.

Gehalten hat diese Verbindung nicht. Was sich damals schon abzeichnet, ist das Engagement der heute 60-Jährigen, das deutlich den Menschenkontakt in den Fokus stellt, Ruhe gibt und, schöpfend aus der eigenen Erfahrung, Rat und Lebenshilfe vermittelt. Dafür muss man selbst „bei sich sein“, das heißt ein gewisses Maß an Ausgeglichenheit haben, das man weitergeben kann. Basis dafür ist oft, wie auch bei Gabriele Wegmann-Rey, ein Leben, das nicht immer geradeaus verlief. Doch von Anfang an: Gabriele Wegmann-Rey wird in Neu-Ulm geboren, kann ihre Wurzeln allein durch leicht durchschimmernden Dialekt nicht verbergen und will das auch nicht: „Ich stehe dazu“, sagt sie lächelnd.

Mit den Eltern geht es wegen der Arbeit des Vaters nach Mannheim, gelebt hat die Familie direkt am Gefängnis. Dreieinhalb Jahre alt war sie damals. Nach Kindergarten und Schulzeit schließt sich die Ausbildung im mittleren Fernmeldedienst an. „Das war eine spannende Zeit noch lange vor der Digitalisierung“, schildert Gabriele Wegmann-Rey die Schichtarbeit in der Telegraphieabteilung und wie Telegramme aufbereitet werden mussten, gleich in welcher Sprache sie ankamen. „Das Internet winkte schon am Horizont und damit eine ganz andere Art der Kommunikation und Datenübermittlung“, spricht die Beamtin und demnächst zweifache Oma darüber, wie sie wegen der Familie aus dem Schichtdienst raus und in die Beitreibungsstelle wechselte.

Kein Stein bleibt auf dem anderen

Wie das Unternehmen digitalisiert wurde, erlebte sie hautnah mit. Zwei von heute fünf (Patchwork-)Kindern hatte sie damals bereits, dann kam die Zeit, die sie so beschreibt: „Kein Stein blieb privat und beruflich auf dem anderen.“ Es geschah, wie es geschah und ihr Leben erfuhr eine Wendung: Trennung, allein verantwortlich für die Kinder, kein Leben im Überfluss und doch erfüllt mit guten Freunden, einem sozialen Umfeld, das stützt. „Kennengelernt habe ich diese Menschen schon als Kindergartenbekanntschaften“, schildert Wegmann-Rey.

„Schwanensee mit Schwimmflossen“, ist ihr bestens als Elternfaschingsaktion im Hinterkopf. Kaum aus dem Kindergartenalter heraus ging es auch für die Mama im Schulförderverein an der Neurottschule weiter. Parallel dazu entwickelte sich eine enge Beziehung zur katholischen Kirche, der Mitarbeit dort als Lektorin und bei den Besuchsdiensten – intensiver Kontakt zu Menschen eben, den Gabriele Wegmann-Rey sehr schätzt, als inspirative Quelle wahrnimmt. „Unser Familienkreis“, erzählt sie, wie wertvoll das monatliche Zusammentreffen von acht Ketscher Familien ist, das in diesem Jahr schon sein 25. Bestehensjahr feiert. Miteinander reden, sich austauschen und Ausflüge machen ist Inhalt des Zusammenschlusses. Im Jahr 2005 kam es zur neuen Beziehung mit Matthias Rey, „eine Partnerschaft, die viel Gemeinsamkeit mit Freiräumen für beide bietet“, ist die 60-Jährige glücklich. In Pastoralkursen hat sie sich in seelsorgerischer Begleitung fortgebildet.

Die Abschlussarbeit zum Thema „Seelsorge“ am Institut für pastorale Fortbildung setzte den Schlusspunkt darunter. Eine weitere Fortbildung befasste sich mit der Telefonseelsorge, „fast ein kleines Theologiestudium“, stellt sie fest. Diese Telefonnummer, die, überwiegend in den Nacht-, Feiertags- und Wochenendstunden stark frequentiert wird, ist eine ganz eigene Welt. Wegmann-Rey beschreibt, wie sie im Zimmer, wo der Apparat steht, ankommt, eine Kerze anzündet: „Das ist ein Ort für mich, wo ich ganz bei mir, wo ich mit Leib und Seele da bin.“ Seit 2014 ist sie mehrere Stunden monatlich im Nachtdienst am Telefon und weiß: „Es gibt nichts, was es nicht gibt in der Telefonseelsorge.“ Dass sie zudem leidenschaftlich gerne reist, liest, den grünen Daumen im Garten umsetzt, zurzeit im internationalen Frauencafé aktiv ist, den aktiven Austausch mit Mann und Familie erlebt, versteht sich von selbst.

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