Ketsch

Kurz schlucken

Archivartikel

Eher skeptisch war ich, ob dem Aufruf per WhatsApp tatsächlich gefolgt würde: Klatschen für das Krankenhauspersonal, das die Corona-Krise mit ganzer Breitseite abbekommt und mitunter Unmenschliches leistet.

Dass das Zeichen der Solidarität in Ländern wie Italien, Spanien oder Griechenland funktioniert, wundert mich nicht. Doch klappt das in Deutschland, wo man sich wahrscheinlich lieber auf den Balkon oder ans offene Fenster stellt, um seinem Unmut über bereits getätigte offizielle Anordnungen freien Lauf zu lassen – so dachte ich und wollte meiner Frau eine eventuelle Enttäuschung ersparen.

Aber falsch gedacht, denn Punkt 20 Uhr öffnete nicht nur sie die Türe zum Balkon – auch die Fenster und Türen unserer Nachbarn gingen auf. Sie traten auf Balkone oder die Terrasse, wenn vorhanden. Der Hinterhof war fürs Gemeinschaftserlebnis bereitet. Nach den Schlägen der Kirchturmuhr setzte das Klatschen ein. Serben, Albaner und Deutsche im Takt. Trotz Corona, es war sehr schön. Und ich gebe zu, das Klößchen im Hals musste ich erst runterschlucken.

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