Ketsch

Lage ist trügerisch

Es sind gute Nachrichten, die Kämmerer Gerd Pfister hat: Obwohl der befürchtete Einbruch von zehn Prozent beziehungsweise drei Millionen Euro bei den Steuereinnahmen eintritt, wird die Gemeinde zum Jahresende ohne Minus dastehen. Dank der Finanzspritze von Bund und Land können die Folgen der Wirtschaftskrise größtenteils aufgefangen werden. Corona und die darauffolgenden Entscheidungen der Politik hinterlassen also in Ketsch zunächst keine allzu großen Konsequenzen.

Doch die Lage ist trügerisch. Denn der Wirtschaftseinbruch und die Steuerausfälle treffen den Bund und das Land enorm, gleichzeitig zeigen sich beide spendabel. Dabei haben sie das Geld nicht etwa auf der hohen Kante. Dass Ketsch in diesem Jahr keine Schulden machen muss, liegt daran, dass es Berlin und Stuttgart tun. Und das hat am Ende dann eben doch wieder Konsequenzen: Es ist schließlich unser aller Geld, das der Staat hier verteilt. Dabei wird es von der Politik nur verwaltet, nicht aber selbst generiert. Und die Finanzminister müssen die derzeitigen Ausgaben wieder reinholen.

Die Hoffnung der Politik ruht auf einer Wiederbelebung der Wirtschaft nach der Krise. Wenn die Fabriken wieder brummen und die Konsumenten wieder mächtig kaufen, funktioniert die Wertschöpfung und die leeren öffentlichen Kassen können über Steuern gefüllt werden, ohne dass es den Menschen (allzu) wehtut. Die Annahme einer zeitlich begrenzten Durststrecke, die vom Staat auch mal mit der „Bazooka“ von Olaf Scholz überbrückt werden muss, ist nachvollziehbar. Aber sie birgt Risiken: Denn jeder Euro, der nicht erwirtschaftet, sondern nur umverteilt wird, muss am Ende ja doch bezahlt werden. Von wem und wann zeigt die Zukunft – wenn die jetzigen Entscheider ihren Dienst am Volk schon lange beendet haben werden. Und bis die Kassen wieder einigermaßen gefüllt sind, darf es keine weitere Krise geben. Denn ohne Munition nützt auch eine Panzerfaust wenig.

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