Ketsch

Ferdinand-Schmid-Haus Ellen Heese begeistert Kinder mit den Geschichten vom Grüffelo

Mäusefurz und Spinnenbein

Archivartikel

KETSCH.„Mäusefurz und Spinnenbein – meine Angst ist winzig klein, Schlangenbrei und Drachenquark – ich bin mutig, ich bin stark“, ein Chor der Kinderstimmen im sehr gut besetzten Saal des Ferdinand-Schmid-Hauses spricht den Zauberspruch gegen die Angst und für viel Mut laut mit. Beim Gastspiel des „theater en miniature“ aus Leimen ist keineswegs kleines Theater sondern echt „großes Kino“, ganz ohne Leinwandgeflimmer, für die Jüngsten geboten.

In einem beeindruckenden Bühnenbild, das mehrere Ebenen, geschickte Verstecke und viel Raum für tänzerisch-schauspielerische Darstellung der Puppenspielerin und Theaterleiterin Ellen Heese bietet, wird die fast allen Kindern bekannte Geschichte um die (nahezu) furchtlose, kleine Maus und den Grüffelo lebendig. Nach dem gleichnamigen Buch von Julia Donaldson und Axel Scheffler ist das kurzweilige Stück entstanden, das 45 Minuten lang seine kleinen und großen Zuschauer fesselt.

Zuerst ist das fiktive Monster nur Mittel für die Maus mit der ängstlichen Piepsstimme andere Tiere in die Flucht zu schlagen, die sie zwar freundlich einladen, aber im Hinterkopf wohl eher ein leckeres Mahl in ihr sehen. Doch – was man sich so intensiv wünscht, kann durchaus auch mal Realität werden. Und rumms, schon ist der „Grüffelo“ leibhaftig da und schaut sich seinerseits die Maus genauestens an. Ein herzhaftes „hamm“ und lautes Schmatzen begleiten den monströsen Auftritt. Das ist kein Wunder, denn in seiner blühenden Fantasie hatte das Mini-Nagetier dem Grüffelo ordentlich Appetit angedichtet. So liebt das vermeintliche Fantasiewesen etwa Schlangenpüree und Eule mit Zuckerguss – damit hat die Maus die Pseudo-Einladungen von Fuchs, Eule und Schlange locker abgelehnt, die Tiere suchten lieber das Weite, anstelle mit dem Grüffelo zusammenzutreffen. Ist aber eine Maus auch lecker für den Grüffelo? Wohl schon und in dem Augenblick hat die Maus ganz viel Mut: „Grüffelo-Grütze ist mein Leibgericht“, tönt sie laut und der Grüffelo rennt um sein Leben.

Figur ist handgefertigt

Mit viel Liebe zum Detail hat die Figurenbauerin Mechtild Nienaber glubschige, gelbe Augen, Hörner am Kopf, zotteliges Fell, Riesenfüße, grauselige Tatzen und die typischen Stacheln auf dem Rücken für den Grüffelo handgefertigt. In jeder Falte des monsterhaften Wesens spiegeln sich der feine Humor der Erschafferin und ihr Händchen für Details, die aus Plüsch, Füllwatte und Garn so viel mehr entstehen lassen als „nur“ eine Spielfigur fürs Theater. Diesen Esprit der Typen nimmt Ellen Heese mit viel Feinsinn auf, versieht jede Figur mit einer passenden Stimmfärbung und entsprechenden Lauten, stellt mit deren Betonung den Charakter dar und garniert mit wenig Mimik einen Ausdruck, der sogar den Erwachsenen Zuschauern nach der Vorstellung viel Lob abringt.

Die uralte Tradition der Puppenspielkunst erlebt in den Händen von Ellen Heese ein Erstarken. Das 1991 als mobile Bühne gegründete „theater en miniature“ mit Sitz in Leimen ist für seine Inszenierungen für Kinder und Erwachsene auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals ausgezeichnet, vermittelt erfrischend abwechslungsreich die Geschichten um Mut haben, Freundschaft pflegen, Liebe erleben und geben, die Inhalt der Theaterstücke sind. zesa

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