Ketsch

Serie "Wir sind Ketsch. Wir sind Zukunft" (3) Mit einem Tennis-Stipendium ist Jannik Gieße (19) in die USA gezogen / Metzgerei der Familie wäre sein Plan B

Mit Heimatliebe in die Neue Welt aufgebrochen

Ketsch.Zehn Jahre, das ist eine ganz schön lange Zeit: Jannik Gieße hat sie gut genutzt. Und genau deshalb hat Jannik seit einigen Wochen eine neue Adresse. Wer ihn besuchen möchte, muss weit fahren, denn der junge Ketscher erobert gerade die Vereinigten Staaten von Amerika. Seinem Plan A im Leben hat er damit Kontur und Basis zugleich verliehen, denn als zweifacher deutscher Meister und Jugendolympiasieger im Doppel sicherte sich der begeisterte Tennisspieler ein Stipendium an der Old Dominion University von Norfolk in Virginia.

Die Förderung seiner sportlichen Ambitionen ist damit gesichert und zugleich kann er International Business studieren. Jannik ist glücklich, denn diese Kombination ist einzigartig. "Wäre ich in Deutschland geblieben, hätte ich mir das nicht vorstellen können", so der 19-Jährige.

"Schon immer viel unterwegs"

Bange macht ihn die Vorstellung nicht, so lange von seiner Heimat und Familie getrennt zu sein. "Ich war ja schon immer viel unterwegs. Vielleicht ist es am Anfang ein bisschen komisch, aber man kann ja skypen", weiß er. Ein kleines Haus, in dem einige Studienkollegen wohnen, wird sein neues Zuhause sein. "Das wird entspannt", freut er sich, "und bestimmt eine super Zeit." Ein geheimer Wunsch, den viele Jugendliche hegen - doch Jannik weiß, worauf es ankommt: "Ich werde in den USA sicherlich selbstständiger und das wird mich extrem weiterbringen."

Seine Freunde ließen ihn ebenfalls mit einem weinenden und einem lachenden Auge ziehen. "Die sagen alle, das ist megacool", berichtet Jannik, "und ich habe wirklich keinen gehört, der nicht gesagt hätte: Mach das!"

Eine Chance also, die sich der Sohn einer Handwerkerfamilie nicht entgehen lassen wollte, denn "so eine Chance kriegt man nicht noch einmal." Aber er weiß auch, dass es ohne die Familie nicht geht. Und genau hier findet der junge Ketscher auch seinen Plan B fürs Leben. "Vor ein paar Jahren habe ich viele Spiele verloren. Da hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt, ob ich mich nicht lieber auf die Schule konzentriere und dann in die Metzgerei meiner Familie einsteige." Der Beruf seines Vaters Jürgen interessiere ihn nämlich ebenfalls, betont er.

Fotos, Laptop, Tennisschläger

Fleischverarbeitung versus weißer Tennissport? Da kennt er keine Unterschiede: Beides liebt er, mit beidem ist er aufgewachsen. Kochen aber, gesteht er, "gehört nicht gerade zu meinen Stärken". Da schwingt der junge Student lieber noch den Golfschläger und lässt sich über das Grün treiben. "Das ist wie Urlaub", verrät er. "Da kommt man super runter." Oder aber man wird emotional, "so wie beim Tennis."

Die Koffer hat er längst in seiner neuen Wahlheimat ausgepackt. Mitgenommen hat er Fotos seiner Familie, die Tennisschläger - und natürlich einen Laptop für die Gespräche mit seiner alten Heimat am Rhein.

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