Ketsch

Seniorenwerk Gottesdienst beendet Pandemie-Unterbrechung

Miteinander eng verbunden

Archivartikel

Ketsch.Mit einer pfiffigen Idee überraschte das Team des Seniorenwerks die Teilnehmer der geselligen Nachmittage im Pfarrheim. Nach der langen Zwangspause überreichten sie mit der Einladung zu diesem Gottesdienst eine „Memory-Tüte” mit gewichtigem Inhalt. Dazu gehörten neben einem Blumenstock auch Kekse, portionierter Kaffee und Tee für die gemütliche Pause daheim. Zum Zeitvertreib waren knifflige Aufgaben als Gripsgymnastik beigefügt und auch ein Bild vom Altarkreuz St. Sebastian gehörte dazu.

Geplant war nach der Pause nun ein Gottesdienst unter freiem Himmel im Pfarrgarten, aber der Regen machte einen Strich durch die Rechnung. So wurde die Andacht in die Kirche verlegt. „Endlich wieder eine volle Kirche“, freute sich Heiko Wunderling augenzwinkernd, denn wegen Beachtung der Abstandsregeln besetzten die 30 Besucher einen Großteil der Plätze.

Weil gemeinsames Singen nicht gestattet war, bereicherten Annette Meixner, Barbara Kreichgauer und Barbara Wolf den Gottesdienst musikalisch und mit Textbeiträgen.

Diakon Wunderling hatte die Feier mit „Gott unser Schöpfer” überschrieben. Als Schöpfer der Welt schenke Gott allem das Leben. So könne die Gemeinschaft des Seniorenwerks spüren und erleben, dass sie trotz Abstands zueinander miteinander verbunden seien. Ein höflicher Handschlag oder eine herzliche Umarmung durften aber nicht sein.

Aus Nähkästchen geplaudert

Aus dem Matthäus Evangelium zitiert er: „Seht euch die Vögel des Himmels an. Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen. Euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als Sie?” In seiner Auslegung dazu fragte er, wie die Gottesdienstbesucher die vergangenen Wochen und Monate der Corona-Pandemie verbracht haben, und plauderte aus dem Nähkästchen. Das Arbeiten sei für ihn nur sehr eingeschränkt möglich gewesen, verriet Wunderling. Ungezählte Gottesdienste, Veranstaltungen, Besprechungen und Treffen wurden verschoben oder abgesagt. Irgendwann war auch das Büro blitzblank aufgeräumt, es blieb Zeit für Privates.

Pandemie auf Schritt und Tritt

Er schwang sich abends aufs Rad und entdeckte Pflanzen, Blumen und Tiere in Gottes Natur bewusster als zuvor. „Mit dem entsprechenden Blickwinkel können uns die Gaben der Natur weit über den Nutzen als Nahrung hinaus führen.” Dabei erinnerte Wunderling an den „Sonnengesang” von etwa 1225 des Dichters, Denkers und Theologen Franz von Assisi, der scheinbar über weltlichen Dingen schwebte.

Zur Zeit des Sonnengesangs war er nicht nur von Alter und Krankheit geschlagen, er war auch fast vollständig erblindet. Zudem litt seine umbrische Heimat in jener Zeit unter einer fürchterlichen Rattenplage, berichtete der Seelsorger.

Da sah Heiko Wunderling eine Parallele zum Heute. Jeden plagten Sorgen, Ängste, seelisches oder körperliches Leid. „Und so, wie den Menschen damals das Ungeziefer auf Schritt und Tritt begegnete, so ist es heute bei uns die Corona-Pandemie mit all ihren Ge- und Verboten“, stellte der Diakon fest. „In genau diesen Momenten Gott im auf den ersten Blick Unscheinbaren zu erkennen, das zeugt von großer Weisheit und Glaubenskraft,” gab Heiko Wunderling zu bedenken. gp

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