Ketsch

Geschäftsleben In der „Oase“ in der Schillerstraße frönen Damen dem weltweiten öffentlichen Strick-in-Tag / Arbeiten vom Einschlagtuch bis zum Poncho

Nadeln klappern – komme, was Wolle

Ketsch.„Sit in“ kennt man, das ist ein Sitzstreik. „Die in“ kennt man als gewaltlosen Protest, bei dem die Demonstranten auf Signal sich wie tot hinlegen. Aber „Knit in“? Dass der World Wide Knit in Public Day (WWKIP Day, Weltweiter, öffentlicher Strick-in-Tag) eine besondere Art Demonstration mit zwei und mehr Nadeln ist, lernen wir in der „WollOase“ in der Schillerstraße 5.

Im urigen Garten beim Ladengeschäft, der dem Namen Oase mehr als gerecht wird, sitzen 14 Damen und lassen die Nadeln klappern, trotz Hitze – komme, was Wolle! Und, o Wunder, im Oval sitzen nicht nur ältere Damen, denen man die Kunst des Strickens gerne zuschreibt – nein, es schauen auch durchaus Augen aus jungen Gesichtern vom eifrigen Maschenwerk auf.

Gefragt, weshalb sie hier zusammenkommen, erklären die Frauen: „Es macht Spaß, gemeinsam zu stricken, das macht man ja üblicherweise alleine daheim oder im Stricktreff.“ Nicht ohne Einfluss auf den Spaß ist sicher das kulinarische „Rahmenprogramm“, das von Kaffee und Kuchen bis zu prickelnden, alkoholfreien Getränken reicht und flinke Finger ebenso anregt, wie die Münder, die schier unentwegt Themen finden, über die sich das Plaudern lohnt.

Und das alles geschieht am WWKIP Day in Hinterhöfen, Gärten, Räumen überall auf der Welt? Vera Schönthaler-Götz, die mit Waltraud Hübner die „WollOase“ betreibt, schildert: „Wir sind bei der Aktion schon einige Jahre dabei, haben uns auch dieses Jahr wieder angemeldet und sogar ein großes Paket mit Wolle des spanischen Produzenten „Katia“ erhalten – kostenlos.“

In einem großen Korb sind die Päckchen, die jeweils vier bis sechs Knäuel einer Garnsorte enthalten, aufgeschichtet. Wer nicht gleich beim Strickevent eines davon verarbeitet, der darf sich bedienen und Wolle mitnehmen – unentgeltlich. Die Frauen haben zugegriffen, einige haben damit ein neues Strickprojekt begonnen.

1000 Treffs in vielen Ländern

Den WWKIP Day gibt es auf Initiative von Danielle Landes, deren Ziel es gewesen ist, dass Strickerinnen ihrem Hobby gemeinsam frönen. Seither ist die Zahl der weltweiten Stricktreffs für einen Tag von anfangs 20 auf über 1000 angestiegen. Dabei kommen Menschen etwa in Australien, China, England, Finnland, Frankreich, Irland, Norwegen, Südafrika, Schweden, USA, Deutschland und vielen weiteren Ländern zusammen, die sich sonst nie treffen, dann aber in der Gruppe Faserkunst betreiben.

Seit 2015 gibt es einen Tag im Jahr, immer am zweiten Samstag im Juni, an dem kollektiv genadelt wird. Davor war das Team-Stricken teilweise eine Woche lang zelebriert worden.

Uns interessiert, welche Wollobjekte hier entstehen sollen; und wir erfahren Erstaunliches. Etwa von Sabine Schuch-Schulz, die ein Einschlagtuch für Frühgeborene strickt. Dafür hat sie ein wärmendes Garn in einem hellen Grauton gewählt. Fertige Tücher gibt sie als Spende an die Frühchenabteilungen in Kliniken.

Fünf Nadeln im Spiel

Gisela Kotterba hat fünf Nadeln im Spiel und fertigt Söckchen an, die an Kinderheime abgegeben werden. „Bobbelwolle“, das neue Garn mit Farbverlauf, hat Marina Nagel aufgeschlagen und handarbeitet eine Tunika daraus. Ihre Tochter Carina Nagel tut es ihr gleich. „Wie Frottee fühlt sich das ‚Zackengarn‘ an, wenn es verstrickt ist“, zeigt Vera Schönthaler-Götz auf ihren Poncho in mintgrün mit helleren Einspielungen. Ein pinkfarbener Kinderpulli ist noch im Angebot, ein Schal und einiges mehr.

In der Tischmitte steht die Kaffeekasse, deren Inhalt im Herbst an einen noch zu bestimmenden sozialen Zweck geht. Die Strickerinnen verabreden sich just zum nächsten weltweiten Strick in-Tag 2019. „Aber wir sehen uns sicher auch schon davor wieder, im Stricktreff immer am ersten und dritten Mittwoch im Monat von 15 bis 18 Uhr hier in der ,WollOase’“, sagen Vera Schönthaler-Götz und Waltraud Hübner.

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