Ketsch

Kiesabbau im Entenpfuhl Muss es denn unbedingt ein Waldstück sein? / Bei der Tiefengeothermie stört die Nähe zur Bebauung

Örtliche Begebenheiten berücksichtigen

Beginnen wir den Disput einmal von einer anderen Seite: Bei einer Pacht von 35 Jahren wird die ältere Generation das Ende nicht mehr miterleben und für den Rest ihres Lebens mit dieser landschaftsverändernden Großbaustelle leben müssen. Die jüngere Generation wird darüber alt und erst die Enkel werden es vielleicht erleben, dass eine Renaturierung stattfindet. Oder auch nicht, denn welche Firma kann über 35 Jahre planen? Auch dort wird der Generationenwechsel eintreten oder ein eventueller Verkauf stattfinden.

Es ist immer davon auszugehen, dass der ansässige Bürger seine Heimat, Umgebung und Ressourcen schützen möchte und wird. In diesem Fall das Grundwasser, den Wald und das Tierhabitat. Gleichzeitig sind die Firmen keine Wohlfahrtsverbände, sondern möchten Gewinne einfahren oder optimieren. Beide Seiten werden ihre Interessen mit entsprechenden Argumenten darstellen, wenn möglich alternativlos.

Unzweifelhaft baut jede Gemeinde immer weiter bis an die Grenzen ihrer Gemarkung und sorgt so dafür, dass der Raum zwischen den Gemeinden immer kleiner und begrenzt ist. Dem Ruf nach mehr Grundstücken sind Grenzen gesetzt, irgendwann ist dann eben Ende Gelände. Die Rohstoffknappheit ist nicht auf den Rhein-Neckar-Kreis begrenzt und für den Sand wird schon seit Jahren illegal Strandsand abgebaut, der auch Schutz vor dem Meer bietet. Kies gibt es entlang des gesamten Rheins, die meisten Badeseen sind ehemalige Kiesgruben. Der Rhein-Neckar-Kreis ist in der Tat dicht besiedelt und das sollte auch einmal von der Landesregierung berücksichtigt werden, bei weiterer Zuwanderung.

Die Firma Krieger muss sich fragen lassen, ob es unbedingt ein Waldstück sein muss, weil es den optimalen Gewinn verspricht und angeblich den besten Kies. Wäre hier ein Landschaftsgebiet ohne Besiedelung zu beiden Seiten und ohne Wald (der ohnehin schon über große Flächen geschädigt ist) nicht auch möglich? Das Gleiche könnte man auch bei der Tiefengeothermie fragen, muss es ein Tiefengeothermiewerk neben einer Gemeinschaftsschule, gegenüber eines Klärwerks und zwischen Gemeinden sein, wo die Besiedelung kaum mehr als einen Kilometer auseinanderliegt und der neue Sportplatz in direkter Nähe?

Die Lösung kann nur heißen, dass Firmen das berücksichtigen sollten, bevor sie sich in ein Projekt verbeißen, das gegen den Willen derer ist, die schon länger hier leben und deren Heimat betroffen ist. Muss der mögliche Gewinn immer über der Lebensqualität der Menschen stehen, wenn es noch andere Alternativen gibt? Wir sind es in der Zwischenzeit gewohnt, alternativlose Darstellungen von Forderungen präsentiert zu bekommen. Wer sagt, dass wir dafür unsere Sicherheit, unsere Umgebung aufgeben müssen? Sind ein paar Kilometer mehr Rheinfahrt mit dem Schiff so schlimm, wenn wir gleichzeitig einen großen Teil unseres Konsums aus China importieren? Dafür haben wir die Globalisierung, nationaler und internationaler Handel von dem viele leben. So manches Debakel könnte vermieden werden, wenn von vorneherein die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt würden, statt die Entscheidung ohne die Bürger zu treffen mit der Illusion, die überzeugen wir schon.

Marion DeMille, Ketsch

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