Ketsch

Heimatmuseum Museumstag bietet Einblicke in die Ortsgeschichte und ins Weltgeschehen / Vortrag von Dorcas Ogombe

Perspektiven für Witwen in Afrika

Ketsch.„Witwen in Deutschland sind abgesichert, haben einen gesellschaftlichen Status“, sagt Dorcas Ogombe. Stirbt in Afrika der Mann, steht die Frau vollkommen allein und unversorgt da, wird oft aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Über dieses Schicksal und ihre Initiative „Dorcas Vision“, ein Projekt der Hilfe zur Selbsthilfe, berichtete sie in Worten und Bildern beim Museumssonntag im Heimatmuseum.

Wegen ihres Berufes ist die Kenianerin, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt, vor eineinhalb Jahren mit der Vorsitzenden des Heimat- und Kulturkreises, Ingrid Blem, zusammengekommen – Dorcas Ogombe ist Krankenschwester und arbeitet bei einem ambulanten Pflegedienst in Ketsch. Blem unterstützt die Projekte von „Dorcas Vision“ indem sie bei Materialsammlungen hilft oder, wie derzeit, der 39-Jährigen die Chance einräumt ein breites Publikum anzusprechen.

Biblische Namenspatronin

Die zweifache Mutter erzählt von ihrem Glauben an Gott und der Überraschung, als sie ihren Namen in der Bibel fand. Dort trägt ihn eine Frau, die Kontakt zu Witwen hielt, starb und Dank Petrus wieder ins Leben zurückkehrte, weil die Witwen sehr um sie trauerten. „Mein Name Dorcas ist die griechische Namensvari-ante von Tabitha, dem biblischen Frauennamen“ – das war ein Zeichen für die engagierte Frau den richtigen Weg einzuschlagen: „Mein Herz brennt für die Witwen und armen Leute in meiner Heimat.“

Im ostafrikanischen Staat Kenia, in dem 60 verschiedene Dialekte gesprochen werden, hat Dorcas Ogombe zwei Projekte gestartet. Mit einem ehemaligen Arbeitskollegen, ihrem Mann und Ingrid Blem hat sie durch Mund-zu-Mund-Propaganda Spenden dafür gesammelt. Die Nähprojekte richten sich an Witwen, Namen der Bedürftigen erhält die Kenianerin von einer Pastorin im Ort Busia.

Die Initiative übernimmt auch das Schulgeld für die Frauen, damit diese, oft mit einigen Kindern alleine, eine Ausbildung bekommen. Ende dieses Jahres ist die Ausbildung beendet. Mit den drei mechanischen Nähmaschinen, die in Deutschland organisiert werden konnten, Stoffen, Garnen und Knöpfen, können die Frauen bald schon arbeiten und in eigenen Geschäften Geld verdienen. „Jetzt suchen wir Spender, die mechanische Nähmaschinen geben können, Material oder Geld“, bat sie, denn alles was angesammelt worden ist, soll in Kürze nach Kenia verschifft werden. Seit April gibt es ein Vorschulprojekt für arme und benachteiligte Kinder in Namanga/Kenia, das Dorcas Ogombe ins Leben gerufen hat. Es gibt dort Bücher, Spielzeug und drei Mahlzeiten am Tag. „Ein Pastor vor Ort hat die Verantwortung übernommen, wir geben finanzielle Unterstützung und materielle.“

Von Bildern untermalt

Bilder mit Szenen aus Namanga und Busia untermalten den impulsiven Vortrag optisch. Einige Fragen wurden an die Rednerin gestellt, bevor die aromatischen afrikanischen Speisen – Hefebällchen und Samosas mit Fleisch- oder Gemüsefüllung – verkostet wurden, die sie mit einigen Freundinnen im Garten des Heimatmuseums anbot. Zum Museumstag hatten die aktiven Heimatforscher alle Türen weit geöffnet, boten zudem süße Waffeln und Kaffee und Kuchen an.

Die „Ketscher Ansichten früher und heute“ im Museum zogen einige Gäste an, dazu interessierten sich viele Besucher für die außergewöhnlichen Bilder von Hubschrauberflügen – einmal im Jahr 1997, dann 2018 – zu sehen.

Die Dauerausstellung von zeitgeschichtlichen Gegenständen im Dachgeschoss mit Exponaten aus dem früheren Alltagsleben in der Enderlegemeinde war ebenfalls geöffnet. zesa

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