Ketsch

Sonnenernte Volksbegehren wird lokal gestärkt / Integration und Dialog sollen gefördert werden

Rückgang der Arten stoppen

Archivartikel

ketsch.Ein breites Bündnis aus Naturschutz-, Landwirtschafts- sowie Verbraucherorganisationen und Unternehmen – darunter auch der Ketscher Verein Sonnenernte, trägt das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ in Baden-Württemberg. Unterschreiben sei bereits jetzt möglich, denn bis Freitag, 17. Januar, können Unterschriften im Rathaus abgegeben werden.

Das Ziel, erklärt der Verein, sei, die Kulturlandschaft, ihre Vielfalt und die darin lebenden Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. „Wir wollen gesunde, regional und naturverträglich erzeugte Lebensmittel. Und wir wollen Landwirtinnen und Landwirte, die aus ihrer Arbeit mit der Natur und für den Menschen ein faires Einkommen erwirtschaften können. Ohne ihre Arbeit in und mit der Natur in den vergangenen Generationen wäre unsere Landschaft nicht so vielfältig und artenreich“, betont Vorsitzender Gerhard Prendke. Deswegen sei es ein wichtiges Ziel, kleinere und mittlere Betriebe zu erhalten. Es sei erwiesen, dass diese zum Artenschutz beitragen, heißt es bei Sonnenernte.

„Gleichwohl fand in den vergangenen Jahrzehnten eine Entwicklung in der Landwirtschaft statt, die –wie sich aus heutiger Sicht zeigt – zu einer Gefährdung unserer Umwelt und der Artenvielfalt beiträgt“, führt Prendke in einer Stellungnahme des Vereins weiter aus. Deswegen wolle das Aktionsbündnis, dass sich die Landwirtschaft weiterentwickele.

Ökonomisch nachhaltig

„Dabei sehen wir bio-zertifizierte Betriebe als Modell für eine ökologisch wie ökonomisch nachhaltige Form der Landwirtschaft“, so der Vereinsvorsitzende. Das Bündnis würdige daher auch die Pionierleistungen der ökologischen Landwirtschaft und ermutige alle Landwirtinnen und Landwirte, nach diesen Prinzipien zu arbeiten.

Der Artenrückgang sei keineswegs allein durch die Landwirtschaft verursacht. „Jede und jeder Einzelne steht hier in der Verantwortung – ebenso wie die Wirtschaft und die Politik“, mahnt Prendke. Der Prozess des Wandels müsse von der Gesellschaft getragen werden – nur dann könne er zu einem Erfolg führen. Damit dies gelingt, reiche ein einfaches Gesetz nicht aus.

Nicht gegen die Landwirtschaft

„Wir brauchen weitere verbindliche Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, zum Kompetenzaufbau bei allen Akteuren, für Strategien zum besseren Absatz für nachhaltige, regionale Lebensmittel, für bessere Strukturen zum Erhalt kleiner und mittlerer Betriebe, für breitere Ansätze zum nachhaltigen Umgang mit Ernährung in der Bildung und für Verbraucheraufklärung zum nachhaltigen Lebensmitteleinkauf“, fordert der Vorsitzende von Sonnenernte. Diese Maßnahmen sollen in einer Strategie münden, die den Landwirten einen sowohl in zeitlicher wie wirtschaftlicher Hinsicht gangbaren Weg weise.

Dazu bedürfe es spätestens am Ende des Volksbegehrens, wenn möglich aber auch schon währenddessen, eines „Runden Tisches“ oder einer Arbeitskreis-Systematik, um mit allen Betroffenen diese Maßnahmen zu erarbeiten. Das Volksbegehren richte sich nicht gegen die Landwirtschaft. Es stehe für Aufbruch und Zukunft. Als Impuls richte es sich an die gesamte Bevölkerung, sich mit den Zielen und Inhalten des Volksbegehrens auseinanderzusetzen. „Es geht uns um Integration und Dialog, nicht um Ausgrenzung und Abwertung“, so Prendke.

Dabei sollen die Landwirte nicht in Existenznöte durch Bewirtschaftungsauflagen gebracht, sondern fair für ihre gesellschaftlichen Mehrleistungen entschädigt werden. Es könne nicht sein, dass jederzeit alles in frischester Qualität verfügbar sein muss, wenn dafür unverkaufte große Überbestände dann auf dem Müll landen, heißt es in der Stellungnahme. Auch die Verklappung von Überproduktion müsse ein Ende haben.

Der grüne Gemeinderat Günther Martin erklärte beim jüngsten Informationsaustausch des Vereins Sonnenernte, dass er sich über die alle alten Obstbäume im Bundesland freue. Er betonte: „Als Lebensraum für geschützte Arten sind die wenigen noch verbliebenen Streuobstwiesen von besonderer Bedeutung für die einmalige Kulturlandschaft Baden-Württembergs. Deshalb ist der wirkliche Schutz vor Abholzung durch das Volksbegehren wichtig. Streuobstwiesen sind wichtige Lebensräume in unserer ausgeräumten Landschaft.“

In diesen Biotopen lebten nicht nur Insekten, sondern auch viele Vögel und andere Tiere wie Igel und Eidechsen. Die wenigen noch vorhandenen Streuobstwiesen müssten geschützt werden, betonte Martin in seinem Beitrag. zg

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