Ketsch

SARS Haxen

Archivartikel

Den Humor lassen wir uns zum Glück so schnell nicht nehmen. Deshalb haben Sie es sicher auch gelesen, dass die Chinesen eine Corona-Infektion auf den Import einer deutschen Schweinshaxe zurückführen. Ungeachtet der Tatsache, dass es angeblich theoretisch sogar sein kann, dass das Virus die idealen Transportbedingungen bei Minustemperaturen ausgenutzt hat, um von Bremen aus über Tianjin bis nach Dezhou auf Verpackungsmaterial durchzuhalten, steckt darin die Lösung einiger unserer Probleme. Im Verteidigungsministerium jedenfalls hat man diesen „Vorwurf“ sehr genau vernommen. Wer braucht Gewehre, die geradeaus schießen, wer braucht Angst einflößende Kriegsschiffe wie die Gorch Fock, wenn er Schweinshaxen hat, die er verschicken kann? – Zumindest als Drohgebärde scheint sie ideal: Die Ausstattung der Bundeswehr ist zwar malade, aber wir setzen jetzt verstärkt unsere Schweinshaxen ein, die machen wenigstens – zumal in der besonders fettigen Version – auch andere krank.

Natürlich planten wir niemals einen kriegerischen Akt, erst recht nicht mit derlei biologischen Waffen – wir sind eine friedliebende demokratisch verfasste Nation. Nichtsdestoweniger bereitet man im Wirtschaftsministerium eine Kampagne zur Stärkung nationaler Interessen vor – Tenor: Deckt euch schön mit unseren Autos ein, ansonsten versehen wir unsere Schweinshaxen mit zusätzlichen Kaufanreizen auf eurem Markt.

Vor Ort in Tianjin befinde man sich im „Kriegsmodus“, so hieß es, wobei hier hoffentlich die strengeren Corona-Maßnahmen in dem Land gemeint sind, das kaum noch Neuinfektionen feststellt. Hierzulande hofft man indes, dass der Markt für Schweinshaxen nicht zuletzt in China offen bleibt, sonst muss man die bajuwarische Delikatesse auch noch selbst essen. Immerhin dann nicht notwendigerweise aus Bremen, sondern vom regionalen Erzeuger.

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