Ketsch

Bildvortrag Historiker Dr. Ralf Wagner führt in das feine Leben auf dem Land und die Schönheit englischer Gärten ein / Passende Bewirtung geboten

Sattes Grün und farbenreiches Meer aus Blüten

Ketsch.Ein Hauch Dekadenz, eine Idee von gehobener Lebensart, unendliche Weiten englischer Landschaft, Schlösser immensen Ausmaßes und die Faszination für "Das feine Leben auf dem Lande innerhalb englischer Gärten" übertrug Dr. Ralf Wagner bei Michelfelders äußerst lebendig auf seine Zuhörer.

Extrem ausladend sind die weiten Landschaften, die Wagner selbst besucht hat und in Fotografien bannte, die jetzt einen umfangreichen Eindruck zeigen. Der "Aha"-Eindruck bekommt an diesem Abend einen Doppelsinn: Einerseits entfleucht dieser Laut den Zuhörern beim Anblick der harmonischen Ländereien, andererseits erklärte Wagner: "Die Trennung der Gärten und Parks wird mit trockenen Gräben erreicht. Sie trennen den Bereich, in dem Tiere, Rotwild oder Rinder weiden dürfen, vom reinen Park und werden 'Aha' (oder Ha-Ha, Anm. der Autorin) genannt." Aha. Das wusste wohl fast niemand im voll besetzten Buch- und Manufakturwarenladen.

Die englischen Landschaftsgärten brechen im 18. Jahrhundert mit der bis dahin geltenden strengen Regel der geometrischen Formen in einem Garten, der aus der Barockzeit rührt. Weniger künstlich, sondern mit der natürlichen Optik spielen fortan die Gestalter, die es fertigbringen von angelegten Wegen aus innerhalb weniger Meter Fußweg immer neue Objekte in den Fokus zu stellen, einen immer wechselnden Blick zu vermitteln. "Das hat mich sehr verblüfft", schilderte Wagner, dass man durchaus die gleiche Passage ein zweites Mal geht, um sich zu vergewissern, dass das Gesehene der Realität entspricht.

Dauerlauf im Wandelgang

Es war ein Streifzug zu monumentalen Bauten, die als Filmkulisse und als aktiver Wohnraum genutzt werden und die lange Wandelgänge beinhalten. "Damit man auch bei schlechtem Wetter im Garten unterwegs sein kann", mit Gemälden an den Wänden, floraler Ausgestaltung und "einfach extrem beeindruckend, so groß, da können sie einen Dauerlauf hindurch machen", begeisterte sich Wagner.

Immer wieder ließ er Details einfließen, etwa, dass die Schlösser und Gärten dem National Trust for Places of Historic Interest or Natural Beauty gehören, einer Institution, die als "Nationale Treuhandschaft die historisch interessanten oder schönen Naturorte" übersetzt werden kann und schon seit dem viktorianischen Zeitalter besteht. "Es lohnt sich, dieser größten europäischen Organisation für Kultur- und Naturschutz kurzzeitig beizutreten, das ist günstiger, als jeden Eintritt einzeln zu bezahlen", berichtete er aus seiner Reiseerfahrung.

Interessanterweise gab es die Geschichte der Familien, denen die herrschaftlichen Riesenbauwerke und Parkanlagen gehörten gleich dazu. Von Bess of Hardwick, die Bekanntheit erlangte als "Gastgeberin" der Gefangenen Maria Stuart und mit ihren Bauwerken, deren geläufigstes wohl "Hardwick Hall, more glass than wall" - Hardwick Hall, mehr Glas als Wände - bis zur Chelsea Flower Show, reichte der Bogen, den der Historiker spannte.

Wissbegieriges Publikum

Er erzählte von riesigen Brückenbauten, die innerhalb der Landschaftsgärten einzig dem Zweck dienten, von einem Gartenteil in den nächsten zu wandeln - "während in London eine Million Menschen die verhältnismäßig kleine Brücke täglich mehrfach queren mussten". Monumentale Rhododendren, ein faszinierendes herbstliches Farbspiel, das sich im See spiegelt, ein Meer aus Blüten oder sattes Grün in all seinen farblichen Spielarten bestimmten die optische Bilderreise für gut zwei Stunden - beschlossen im langen Beifall und mit vielen Fragen der Zuschauer.

Ein Donnerstagabend bei Michelfelders wäre keiner, ohne passendes Essen und Trinken, serviert von Gabriele Hönig und Nina Schmidt. Kleine Pastetchen mit Huhn, Scones - das Gebäck zur englischen Teatime, sowie süße Kekse als Betthupferl beim Ausgang verlockten die Gaumen der Besucher. Die wurden auch von einer selbst gemachten Limonade mit Zitrone und Ingwer benetzt, die nach Gusto mit Gin oder Pimms, einem englischen Kräuterlikör, verfeinert werden konnte.

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