Ketsch

St. Sebastian Eine-Welt-Gruppe unterstützt Projekte in Tansania bereits seit 1985 / Missionsbasar muss dieses Jahr ausfallen / Kirche nach Ketscher Vorbild benannt

Schaumstoff und Reifen für Schuhe

Ketsch.Am kommenden Wochenende hätte er wieder stattgefunden – der beliebte und immer gut besuchte Missionsbasar im katholischen Pfarrheim. Durch den Verkauf von leckeren hausgemachten Marmeladen, Gebäck und Basteleien und natürlich durch Spenden für ein feines Essen und die Unterhaltung bei einem Theaterstück wäre sicher wieder einiges an Geld für die Missionsarbeit gesammelt worden, kamen im vergangenen Jahr doch allein durch den Basar rund 16 000 Euro zusammen.

Corona und die aktuellen Fallzahlen lassen dies in diesem Jahr nicht zu, das Pfarrheim bleibt geschlossen. Die Projekte, welche von der Eine-Welt-Gruppe unterstützt werden, laufen jedoch weiter und einige Mitglieder trafen sich mit unserer Zeitung auf Abstand und unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen, um zurückzublicken auf 35 Jahre Unterstützung der Missionsarbeit in Tansania – am Fuße des Kilimandscharos in Afrika.

Lebensmittel und Einrichtungen

„Seit 1985 sind Kurt Gredel und ich schon dabei, als sich die Gruppe unter anderem mit Leni und Hans Trapp, Siegbert Gabor und dem damaligen Pfarrer Herbert Fürst formierte“, sagt Helene Jünger. Damals wurden erste Pakete in der Enderlegemeinde gepackt und über eine Sammelstation in Langenbrücken in einem Container nach Dar es Salaam in Tansania transportiert. Hier seien laut Jünger auch ganz besonders Inge und Winfried Gredel zu nennen, die genau wie Familie Trapp organisatorisch und tatkräftig bei allen Aufgaben rund um das Thema Missionsgruppe anpackten. In Tansania wurden Leprastationen, Krankenhäuser und Schulen mit Hilfsgütern, von haltbaren Lebensmitteln bis hin zu ganzen Einrichtungen für Krankenstationen, versorgt.

„Von Pater Winfried vom Orden der weißen Väter wurden damals die Container entgegengenommen und der Inhalt den Projekten zugewiesen. Über ihn und den Orden der Missionsschwestern vom kostbaren Blut Jesu haben wir per Brief erfahren, welche Dinge für die Projekte benötigt wurden“, erzählt Kurt Gredel.

Anfang der 1990er Jahre wurden dann für rund 15 Jahre direkt aus der Enderlegemeinde Container versendet, die im damaligen Kolpingkindergarten gepackt wurden. „Damals wurden sogar Schaumstoff oder alte Autoreifen zum Fertigen von Schuhen angefragt, die wir versendeten“, weiß Marianne Faulhaber, die seit 2000 teil der Eine-Welt-Gruppe ist, aber damals zu vielen kirchlichen Gruppierungen gehörte, die in Ketsch seit jeher die Arbeit der Missionsgruppe maßgeblich mit unterstützen.

Ab den 90er Jahren war dann der Missionsbasar, neben weiteren Aktionen bei Ketscher Veranstaltungen, ein wesentlicher Punkt im Kalender der Missionsgruppe, an dem großzügige Geldspenden generiert wurden. Die Container, die man nach Afrika entsandte, mussten nämlich zunächst gekauft werden, blieben diese doch in Tansania und wurden dort beispielsweise zu Hütten umgebaut.

Ein Dach und 15 Fußbälle

„An den letzten Container, den wir nach Afrika schickten, erinnere ich mich noch genau, denn er enthielt neben vielen Gebrauchsgütern ein Blechdach für eine Schule und 15 Fußbälle, die das Highlight für die Kinder dort waren“, berichtet Helene Jünger. Elfie Hemmerich, die sich seit 1991 bei der Gruppe einsetzt, erklärt: „Hohe Zölle und Nebenkosten führten dazu, dass danach keine Container mehr versendet wurden, sondern dass seither direkt Geldspenden überwiesen werden, mit denen die Bedarfsartikel vor Ort gekauft werden, was die Wirtschaft dort zudem unterstützt.“

Dass die Gelder umittelbar und komplett dort ankommen, wofür sie gesammelt werden, davon konnten sich einige Mitglieder der Gruppe bei Besuchen in Afrika überzeugen. Die heute 86-jährige Helene Jünger besuchte ganze viermal Tansania. „Zum ersten Mal war ich 1996 gemeinsam mit Leni und Hans Trapp sowie Uschi Wolf dort und war mehr als positiv überrascht, wie freundlich man uns empfing und wie gut die Projekte umgesetzt wurden.“

2000 waren Familie Trapp und Siegbert Gabor und sie in Afrika, bei diesem Besuch stand der Aufbau eines zuvor in einer Berufsschule in Mannheim abgebauten Chemieraumes in der Schule in Kifungilo im Mittelpunkt. 2004 machte sich Jünger dann alleine auf, und blieb ganze drei Monate. „Mit Händen und Füßen und Ketscher Dialekt habe ich mich unterhalten, denn Englisch spreche ich nicht. Aber es gelang mir bei den Missionsschwestern gemeinsam mit vielen Schülerinnen und Schülern Projekte umzusetzen. So haben wir beispielsweise Blumenbeete angelegt und ich zeigte den jungen Menschen dort, wie man Rosen schneidet“, bekräftigt die Seniorin.

„Mama Helene“ hätten die Kinder sie dort stets genannt, und auch heute sei sie dort noch unter diesem liebevollen Namen bekannt. Bei der bisher letzten Reise der Ketscher Gruppe nach Tansania im Jahr 2008 machten sich Elfie und Günter Hemmerich, Kurt Gredel, Dr. Gerda Helmus und Helene Jünger auf den Weg, um bereits unterstützte Einrichtungen dort zu besuchen.

„Ich kann versichern, dass alle Spendengelder dort angekommen sind und für die Dinge verwendet wurden, für die sie geplant waren“, betont Kurt Gredel. In Makanka half die Gruppe dann direkt beim Bau der Schule, mittlerweile sei dort zudem eine Kirche enstanden, die nach der Ketscher St. Sebastian Kirche benannt wurde. Persönliche Kontakte seien in den 35 Jahren entstanden, Schwestern des Ordens vom kostbaren Blut sind in den letzten Jahren anlässlich von Hungermärschen, deren Erlös teils der Missionsarbeit zugutekommen, zu Besuch in Ketsch gewesen.

Längst wurde der frühere Briefkontakt durch das Versenden von Mails und Kurznachrichten vereinfacht. „Wir hoffen sehr, dass im nächsten Jahr wieder der Missionsbasar stattfinden kann und wir haben schon einige Ideen für Aktionen, wenn diese wieder möglich sind. Wer sich für die Arbeit unserer Gruppe interessiert und vielleicht mitwirken möchte, ist ganz herzlich eingeladen, Kontakt mit uns aufzunehmen“, ergänzt Gredel, denn schließlich laufen die Projekte weiter, die auf Spenden dringend angewiesen seien.

„Ab kommenden Sonntag bieten wir zu den Öffnungszeiten in der Kirche die beliebte selbstgekochte Marmelade an, die man gegen eine Spende gerne mitnehmen kann und einige DVDs mit dem Theaterstück des letztjährigen Missionsbasar sind ebenso erhältlich“, fasst Marianne Faulhaber zusammen. Dass eines Tages wieder Reisen und somit Besuche in Tansania möglich sind, darauf hofft die engagierte Gruppe, die bereits für viele Menschen in Afrika durch Aktionen in Ketsch und die Spendenbereitschaft der Ketscher wertvolle Projekte ermöglicht hat.

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