Ketsch

Ferdinand-Schmid-Haus Bei Workshop nehmen Integrationsmanager geflüchtete Männer in Fokus

Sorge um Familie belastet sehr

Archivartikel

Ketsch.Der Großteil der nach Deutschland flüchtenden Menschen ist männlich. Somit ist die Flüchtlingsfrage auch eine Männerfrage. Das Projekt „Flucht, Migration, Integration – Geschlechterreflektierte Arbeit mit männlichen Flüchtlingen“ des Bundesforums Männer, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, machte jetzt Station in Ketsch.

Die Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte der Gemeinde, Nicole Verclas, hatte den Praxisworkshop im Ferdinand-Schmid-Haus organisiert und dazu eingeladen. Unter den zwei Dutzend Teilnehmern waren Integrationsmanager und Sozialarbeiter, unter anderem aus Oftersheim, Plankstadt, Schwetzingen, Brühl, Hockenheim und Heddesheim, in der Flüchtlingshilfe tätige Ehrenamtliche sowie Mitarbeiter der Stabsstelle Integration des Rhein-Neckar-Kreises.

Projektleiter Gabriel Fréville und Referent Dirk Siebernik vom Bundesforum Männer in Berlin führten in das Thema ein. Fréville stellte zentrale Ergebnisse einer Studie zur Situation von männlichen Geflüchteten vor. Gefragt worden war nach Erfahrungen von männlichen Geflüchteten im Integrationsprozess, welche Vorstellungen, Handlungen und Muster hinsichtlich „Männer“, „Männlichkeit“ und „Flucht“ sichtbar werden und welche strukturellen und individuellen Konsequenzen hieraus für die praktische Arbeit mit geflüchteten Männern gezogen werden können.

Herausforderungen in der Praxis

„Die Sorge um die Familie ist für die Männer sehr belastend“, sagte der Projektleiter: „Das bedeutet auch Herausforderungen in der Praxis für die Mitarbeiter im Flüchtlingsmanagement, die auch mit diesen Belastungen konfrontiert werden.“ Das Projekt unter dem Titel „Movemen – empowering male refugees“ fördert Angebote für junge männliche Geflüchtete zur Bearbeitung von Lebensgeschichten, Grundwerten und Geschlechterfragen. Für Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe vermittelt „Movemen“ Workshops, die den eigenen Blick für Perspektiven, Stärken und Bedarfe von männlichen Geflüchteten schärfen.

Die Workshop-Teilnehmer diskutierten, welche Bedingungen und Situationen geflüchtete junge Männer hier vorfinden und durch welche geschlechterbewussten Ansätze sie in Bereichen wie Wohnen, Bildung, Arbeit, Sport und Gesundheit unterstützt werden können.

Im zweiten Teil gab es die Möglichkeit zum intensiven fachlichen Austausch, um das Gehörte mit Erfahrungen aus der eigenen Praxis zu verbinden und Ansätze und Inspirationen für die weitere Arbeit zu erhalten. Die Referenten erläuterten, wie man einseitigen und stigmatisierenden Bildern vom männlichen Flüchtling entgegenwirken und wertschätzende, zukunftsträchtige Bezüge herstellen kann.

Dabei gelte es, die Vielfalt von Jungen, Männern und Vätern mit Fluchterfahrung mitsamt ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Potenzialen zu erkennen und sichtbar zu machen. Nicole Verclas, die im Rathaus für Flüchtlinge zuständig ist, überlegt schon länger, welche Aktivitäten, Förderungen oder Projekte die Gemeinde dezidiert für die Männer anbieten könnte. Der Workshop sollte dazu dienen, neue Ideen und Impulse zur Arbeit mit männlichen Geflüchteten zu erhalten sowie auf Bundesebene Empfehlungen für die Politik weiterzugeben.

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