Ketsch

Tradition bewahren

Noch vor wenigen Jahren hätte auch ich mich mit meinen Kindern und ihren bunten Laternen aufgemacht, um am großen Martinszug teilzunehmen. Mit vielen anderen liefen wir gemeinsam zum Marktplatz, um dort die Sankt-Martins-Geschichte zu sehen, deren Highlight – zumindest für meine Kinder – das große Pferd war, dessen warmen Atem man an einem kühlen Novembertag sehen konnte.

Man betrachtete die schönen Laternen, bewunderte die Kreativität der Bastler, zog begleitet von Musikkapellen und den bekannten Martinsliedern an den Häusern vorbei und am Ende freuten sich die Kinder auf das Martinshörnchen und wir Erwachsenen auf ein geselliges Beieinanderstehen am Ende des Zuges.

Corona lässt dies in diesem Jahr nicht zu. Zu hohe Fallzahlen, die Begegnungen unter Menschen riskant machen, erlauben keine großen Umzüge, was völlig nachvollziehbar ist. Als ich jedoch der kleinen Gruppe Kindergartenkinder der Villa Pusteblume folgte und im Innenhof von Avendi (wir berichteten) stand, den Blick auf die Gesichter der Senioren an den Fenstern gerichtet und dann die Begeisterung der Kinder beim Singen der Martinslieder erlebte, war es sofort da: Das heimelige Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Zauber, der von einer Tradition ausgeht, die man selbst schon als Kind erlebte.

Und ob ich es wollte oder nicht, unter der Mund-Nase-Maske sang ich ebenfalls kräftig mit bei „Laterne, Laterne“, obwohl ich gestehe, dass mir hier nicht nur die Kinder bei der Textsicherheit ab der dritten Strophe überlegen waren, sondern auch einige Senioren. Schön, dass trotz Corona Wege gefunden werden, um Traditionen zu bewahren.

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