Ketsch

Backfischfest Ketsch Separate Lage der Stände trotz Änderungen bei Händlern umstritten / Klagen über fehlende Umsätze / ASV und Besucher hingegen zufrieden

Über Marktmeile herrscht Uneinigkeit

Ketsch.Auf die in Teilen neugestaltete Marktmeile des Backfischfestes gibt es zwiespältige Resonanz: Während viele Besucher, einzelne Händler und auch der ASV 1928 als Veranstalter eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Premiere im vergangenen Jahr erkennen, sind viele Standbetreiber mit dem Standort und ihren bisherigen Verkaufsergebnissen unzufrieden. „Ich habe in den ersten Tagen nur rund die Hälfte an Umsatz machen können – und ich kann einen guten Vergleich ziehen, denn ich bin jetzt zum 27. Mal beim Backfischfest“, erklärt Rosi Wittner im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihren Stand mit Bekleidung hatte sie bislang immer mitten auf dem Festplatz, auch noch bei der Premiere im vergangenen Jahr, als einzelne Händler nicht an der Marktmeile teilnahmen. „2018 lief deshalb für mich noch alles normal, aber diesmal ist es eine Katastrophe“, beklagt sich Wittner.

Auch Manfred Blaha und seine Frau Andrea sind mit ihrem Verkauf von Mineralien und Edelsteinen unzufrieden. „Wir haben uns bereits vergangenes Jahr beschwert, dass die separate Marktmeile einen deutlichen Verlust bedeutet. Und obwohl die Verantwortlichen ein bisschen nachgebessert haben, hat sich daran nichts Grundsätzliches geändert“, sagt Manfred Blaha. Zwar stünden die Verkaufsbuden sich jetzt gegenüber, doch die Lage auf dem Parkplatz Richtung Rheinhalle sei weiterhin unglücklich gewählt. „Uns findet hier keiner, daran ändern auch die zwei aufgehängten Banner und die neue, eher kümmerliche Beleuchtung nicht viel“, klagt er. „Außerdem ist die Marktmeile weder durch Absperrungen noch durch Schilder abgetrennt, weshalb immer wieder Auto- und Motorradfahrer mittendurch fahren. Das ist für unsere Kunden nervig und kann für Kinder richtig gefährlich werden.“

Auch Cevdet Keles, der an seinem Stand Trockenfrüchte verkauft und zum ersten Mal auf dem Backfischfest steht, ist unzufrieden. „Ich bin überall in der Region auf Märkten unterwegs, aber der Umsatz hier in Ketsch ist schlecht. Wenn das so weitergeht, komme ich nicht noch einmal vorbei“, so Keles. Abends sei auf dem Rummel noch viel los, doch auf die separate Marktmeile verirre sich dann kaum ein Kunde.

Von Jahr zu Jahr verbessern

Gänzlich anders schätzt der ASV die Lage ein. „Am Eröffnungswochenende war richtig viel los auf der Marktmeile, was wohl nicht nur an den im Vergleich zu 2018 angenehmeren Temperaturen gelegen hat, sondern an unseren Anpassungen“, sagt Platzmeister Jens Fritscher. Sowohl die ansprechendere Anordnung der Stände als auch die großen Banner würden eine bessere Atmosphäre bei den über die Meile schlendernden Kunden erzeugen. Von Klagen der Händler ist dem ASV bislang nichts bekannt: „Aus unserer und der Sicht der Schausteller muss für dieses Jahr nichts mehr nachjustiert werden. Aber natürlich bleiben wir am Ball, um uns von Jahr zu Jahr weiter zu verbessern“, so Fritscher.

Unterstützung erhält der ASV von einzelnen Händlern. „Ich bin mit dem Konzept sehr zufrieden“, erklärt Fouad Said, der seit Jahren im Bruch Lederwaren verkauft. „Die Atmosphäre ist hier viel ruhiger und angenehmer als direkt neben den lauten Fahrgeschäften. Das schätzen meine Kunden und so kann ich mich nicht über meinen Umsatz beschweren. Das hat aber sicher auch mit dem Angebot der einzelnen Händler zu tun: Meine Waren sind bei Laufkundschaft beliebt, andere Produkte sprechen eher Sammler an, was vielleicht schwieriger ist.“ Und über noch eine Besonderheit beim Backfischfest freut sich Said: Das Standgeld sei im Vergleich zu anderen Festen in der Region niedriger. „Meine Gesamtkalkulation geht also auf“, sagt er.

Auch die meisten Festbesucher freuen sich über die separate Marktmeile. Zwar sind manche Stammgäste zunächst verwundert, weil die teilweise seit Jahren nach Ketsch kommenden Händler jetzt an anderer Stelle stehen. Doch die kleine Einkaufsstraße kommt an. „Jetzt sind alle Stände geballt an einem Ort, da können wir gemütlich das Angebot mustern und ohne den Krach des Rummelplatzes einkaufen gehen“, freuen sich Claudia und Karl-Heinz Sowarsch aus Oftersheim.

Und für Marcus Laschek aus Schwetzingen ergibt sich aus dem Gegenüber der Buden ein weiterer Vorteil: „Jetzt kann ich die Angebote viel besser vergleichen, weil alles nebeneinander präsentiert wird. Für mich als Kunde ist das natürlich ein Vorteil – für die Händler vielleicht eher nicht.“

Auch der Angelsportverein sieht einen Teil der Verantwortung bei den Standbetreibern. „Wir wollen mit der Marktmeile zusätzliche Transparenz schaffen, so dass unsere Festbesucher ein zeitgemäßes Warenangebot erhalten“, erklärt Platzmeister Jens Fritscher unserer Zeitung. „Am Ende profitiert davon der Kunde.“

Info: Mehr Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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