Ketsch

Gemeinderat Aufträge für Brandschutzsanierung der Neurottschule vergeben / Streit um Finanzen

Unmut über Kostensteigerung

Ketsch.Die letzte Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause war geprägt von Entscheidungen für den Schulstandort: Neben dem Erweiterungsbau der Alten Schule (wir berichteten) beschäftigten sich die Ratsmitglieder auch mit der umfassenden Brandschutzsanierung der Neurottschule – und dabei wurde schnell großer Unmut über die Kostensteigerungen deutlich. Eigentlich ging es in der Sitzung nur um die Auftragsvergaben für die Elektro-, Abbruch- und Rohbauarbeiten, doch abseits der Formalien übten mehrere Gemeinderäte deutliche Kritik an der Entwicklung des Gesamtprojekts. Die Freien Wähler verlangten schließlich gar, dass die verantwortlichen Architekten in der nächsten Sitzung des Bauausschusses Rede und Antwort stehen sollen. Bürgermeister Jürgen Kappenstein und Bauamtsleiter Hans Keilbach sicherten dies zu.

Fast alle Fraktionen waren sich in der Kritik einig, lediglich die Berechnungen für die Preissteigerungen unterschieden sich im Detail. Thomas Franz führte für die CDU aus, dass die Gemeinde an die amtliche Vergabeordnung gebunden sei. Gleichzeitig sei es aber ungewöhnlich, dass allein beim Brandschutz eine Baupreissteigerung von – Stand jetzt – 15 Prozent im Vergleich zur ersten Schätzung aufgetreten sei. „Und laut den Architekten sollen bis Ende 2022 noch einmal mehr als 300 000 Euro dazukommen – insgesamt sind das dann trotz Einsparungen rund 1,3 Millionen Euro. Und die Corona-Krise ist dabei noch gar nicht berücksichtigt – ich kann nur hoffen, dass es bei diesen Erhöhungen bleibt“, mahnte Franz.

Prinzipiell nachvollziehbar

Hans-Michael Rössler, Vertreter der SPD und als hauptberuflicher Handwerksmeister vom Fach, empfand die Kosten der Brandschutzsanierung zwar ebenfalls als sehr hoch. Nach genauerer Durchsicht könne er die Berechnungen aber prinzipiell nachvollziehen, sagte er.

Ganz anders interpretierte Robert Brusnik (Grüne) die Zahlen: Er machte die Rechnung für das Gesamtprojekt auf, addierte also zur Brandschutzsanierung auch den Umbau zur Ganztagsschule samt Mensa- und Hortneubau. „Ursprünglich war von 7 Millionen Euro die Rede, zuletzt lagen wir bei 10 Millionen Euro. Und jetzt kommen die Architekten plötzlich auf rund 14,5 Millionen Euro, wenn noch die bislang nicht einberechneten Kosten für die Sanierung von Heizung, Lüftung und Sanitäranlagen sowie die Erneuerung der Bodenbeläge dazu genommen werden. Das ist dann eine glatte Verdopplung der Kosten“, so Brusnik.

Dem pflichtete Chris Brocke (FDP) bei. „Diese Entwicklung ist sehr unerfreulich – ich befürchte allerdings, dass wir nichts dagegen tun können“, sagte Brocke.

Letzteres sahen die Freien Wähler anders: Sie forderten das Erscheinen der Architekten im Bauausschuss ein. „Natürlich ist der Brandschutz enorm wichtig, aber diese Steigerungen sind zu hoch. Wenn wir beim Gesamtprojekt noch die Eigenleistung der Gemeinde einrechnen, kommen wir inzwischen sogar auf mehr als 15 Millionen Euro – davon könnten wir locker zwei komplette, neue Kindergärten bauen“, sagte Frank Müller für die Freien Wähler.

Das Tischtuch zwischen den meisten Ratsmitgliedern und den ausführenden Architekten scheint also zumindest angeschnitten zu sein – die zur Abstimmung stehenden Auftragsvergaben für die weitere Brandschutzsanierung winkte das Gremium dann aber doch einstimmig durch. Für 952 667 Euro inklusive Mehrwertsteuer erhielt die Firma Elektro Wellhöfer aus Mannheim den Zuschlag für die Elektroarbeiten.

Die Abbrucharbeiten gingen für 195 420 Euro an die Firma Nergiz aus Frankenthal. Kurioserweise handelte es sich dabei eigentlich nur um den zweitgünstigsten Bieter, doch hatte der Erstplatzierte dem Bauamt keinen erforderlichen Sachkunde-nachweis vorlegen können.

„Wir hatten für die Abbrucharbeiten stolze 15 Bewerber und somit eine gute Auswahl – wenn das doch nur immer so wäre“, kommentierte Bürgermeister Jürgen Kappenstein den Vorgang. Abgerundet wurden die Vergaben schließlich mit dem Zuschlag für die Firma Streib aus Mannheim, die für rund 118 000 Euro die erforderlichen Rohbauarbeiten ausführen wird.

Container auf dem Hof

Rund zweieinhalb Jahre sind für die restlichen Brandschutzsanierungen der Neurottschule eingeplant. In dieser Zeit werden immer mehrere Klassen in Container auf dem Schulhof ausweichen müssen (wir berichteten mehrfach). Das Mensa- und Hortgebäude sowie Teile des neuen Außengeländes sollen bereits nach den Sommerferien nutzbar sein. Was das Gesamtprojekt am Ende tatsächlich kosten wird, ist dabei noch nicht mit Sicherheit abzusehen – der Streit ums Geld ist aber bereits öffentlich entbrannt.

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