Ketsch

Unter freiem Himmel

Archivartikel

Es sieht weiterhin schlecht aus für die Hohwiese und das Freibad: Eine Öffnung in diesem Krisen-Sommer scheint völlig ungewiss, weil die Kosten und der Aufwand für die Gemeinde sehr hoch sind. In der gleichen Situation sehen sich derzeit viele Betreiber von Schwimmbädern in ganz Deutschland – viele zögern deshalb, obwohl sie theoretisch wieder loslegen dürften. Und wo sich die Tore wieder öffnen, gelten bis auf Weiteres strenge Verhaltensregeln, die das Badevergnügen einschränken und wohl so manchen Besucher vergraulen.

Grundsätzlich sind die Hygienevorgaben verständlich – noch vor wenigen Wochen stand die Welt still, weil ein Virus für Panik sorgte. Doch inzwischen kommen bei vielen Bürgern berechtigte Zweifel an der Ausgewogenheit der Maßnahmen und Verordnungen auf. Denn einerseits bleiben Liegewiesen und Bäder unter freiem Himmel de facto geschlossen, obwohl hier der Luftaustausch und die Sonneneinstrahlung besonders hoch sind – für Aerosole und behüllte Viren keine guten Bedingungen. Und andererseits gibt es in vielen geschlossenen Räumen wieder Betrieb: Gerade hat ein Gericht die Personenbegrenzung in baden-württembergischen Läden gekippt. Kinos, Restaurants und Bars dürfen Besucher begrüßen, die am Platz keine Maske tragen müssen. Und unter freiem Himmel versammeln sich zehntausende Menschen ohne den gebotenen Abstand, um für ihre politischen Ziele zu demonstrieren. Nur das Sonnenbaden am Baggersee scheint nicht mit der angemessenen Verhältnismäßigkeit geregelt werden zu können.

Eine vernünftige Lockerung bei Freibädern und Badeseen würde es den Betreibern aber ermöglichen, ohne immense Zusatzkosten zu öffnen. Für viele Menschen, die in den vergangenen Monaten unter schwierigen Bedingungen gearbeitet, Kinder betreut und die eigene Existenz gesichert haben, wären so wenigstens ein paar entspannte Stunden im heimischen Sommer möglich. Und aus Sicht der Pandemie-Bekämpfung wäre das alles wohl eher vertretbar, als die am Dienstag verkündete Öffnung der Balearen für Tausende deutsche Touristen ab nächstem Montag – Anreise im engen Flugzeug inklusive.

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