Ketsch

Haus der Begegnung Pfarrer Christian Noeske unternimmt einen virtuellen Spaziergang durch die ewige Stadt

Vom Kolosseum bis zum Petersdom

Archivartikel

Ketsch.„Sieben, fünf, drei, Rom kroch aus dem Ei,” zitierte Pfarrer Christian Noeske bei seinem virtuellen Gang einen bekannten Merksatz aus dem Geschichtsunterricht. Damit war das Gründungsdatum 753 vor Christus gemeint. Archäologischer Forschung zufolge sind erste Siedlungen bereits im zehnten Jahrhundert vor Christus auf zwei der sieben Hügeln entstanden, auf dem Palatin und dem Esquilin.

Das Kapitol wurde 200 Jahre später bebaut, und bis Mitte des achten Jahrhunderts vor Christus formierte sich eine kleine Stadt. Deren Entwicklung ist entgegen der Legende nicht auf Romulus zurückzuführen, sondern die Etrusker als derzeitige Herrscher über Mittelitalien bauten Rom zum strategischen Mittelpunkt nach griechischem Vorbild aus. Sie legten mit dem Bau der Cloaka Maxima, einem Kanalsystem, das Sumpfgebiet zwischen den Hügeln trocken. Sie bauten das spätere Forum Romanum, das zum Ort der Heiligtümer, der Versammlungen und der Rechtssprechung gedieh.

Rom entwickelte sich als repräsentative Stadt, finanziert durch Kriegsbeute und Tribute. Um 510 vor Christus wurde Rom zur Republik, Konsulat, Senat und Volksversammlungen bestimmten die Politik. Es wird der Mittelpunkt des wachsenden Römischen Reiches.

„Alle Wege führen nach Rom“

Straßen werden ausgebaut, die Via Appia in Richtung Südosten bis ins heutige Apulien. Alle Römerstraßen führen zum Forum Romanum, daher das Sprichwort „Alle Wege führen nach Rom.”.

Das Aquaedukt versorgt die Bevölkerung mit frischem Quellwasser. Die politische und wirtschaftliche Bedeutung Roms wächst, das zeigt sich am Bau neuer Anlagen und Gebäude. Straßen werden gepflastert, Brücken über den Tiber gebaut, Markthallen errichtet. Der erste Tempel aus Marmor wird den Göttern Jupiter Stator und Juno Regina gewidmet.

Hundert Jahre später plagen die Stadt Probleme, die Kaiser Cäsar Mitte des ersten Jahrhunderts zu lösen versucht. Straßenverhältnisse werden per Gesetz geregelt, Nahrungsmittelversorgung gerecht verordnet und Mietzinsen gesenkt. Bei soviel Engagement kommt die Verherrlichung der eigenen Person nicht zu kurz. So baut Cäsar beispielsweise neben dem Forum Romanum sein Forum Julianum.

Die sogenannten Kaiserforen werden Tradition, wie das prachtvolle Forum des Trajan als letztes Kaiserforum 143 nach Christus. Kaiser Augustus gibt der Stadt ein neues Gesicht aus 14 Stadtvierteln. Eine Berufsfeuerwehr und eine Wachtruppe aus mehreren tausend Mann werden aufgestellt. Der Tiber wird reguliert, es entstehen öffentliche, beheizte Bäder. Öffentliche Bibliotheken werden eingerichtet, und das Schlachtvieh darf nur noch nachts durch die Straßen getrieben werden. Der Circus Maximus wird im ersten Jahrhundert erweitert und bietet 250 000 Zuschauern Platz.

Ab 80 nach Christus sind im Kolosseum Gladiatorenkämpfe von rund 50 000 Plätzen aus zu sehen. Kaiser Augustus rühmte sich, eine Stadt aus Lehmziegeln vorgefunden, aber eine aus Marmor hinterlassen zu haben. Luther besuchte Rom vor seinem reformatorischen Durchbruch 1510.

Er erlebte den blühenden Ablasshandel, für den geplanten Petersdom wurde viel Geld benötigt. „So hat der Bau des Petersdoms indirekt mit dem zu tun, woran wir uns im letzten Jahr in unterschiedlicher Weise erinnert haben – 500 Jahre Thesenanschlag Martin Luthers”, gab Pfarrer Christian Noeske beim Altennachmittag im Haus der Begegnung zu bedenken.

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