Ketsch

Central-Kino Adax Dörsam nimmt sein Publikum mit auf eine musikalische Reise / Gitarrenvirtuose spielt auf türkischer Saz und bolivianischer Charango

Von Europa über den Orient bis in die Südsee

Archivartikel

Ketsch.Die Finger von Adax Dörsam flogen rasend schnell über die Saiten, manchmal behandelte er die Resonanzkörper, die er um sich versammelt hat, mit der flachen Hand – und dies so virtuos, dass es einem beim Hinschauen ganz schwindlig wurde. „Unglaublich gut.“ „Der absolute Hammer.“ „Das kann ihm keiner nachmachen.“ Das waren die Reaktionen der Zuhörer nach zwei Stunden Livemusik mit Gitarre und Gesang.

Der aus dem Odenwald stammende Gitarrenvirtuose, Autor, Produzent, Arrangeur und Komponist kann als ein echter „König der Saiten“ bezeichnet werden, erspielte er sich nicht nur hier in der Region den Respekt von Publikum und Kritik, sondern in ganz Deutschland.

Somit war es für Doris Steinbeißer als Sprecherin des Vereins Central-Kino etwas ganz Besonderes, „einen der besten Gitarristen“ begrüßen zu dürfen, der, wie sie sagte, „als Solist oder in verschiedenen Formationen viel unterwegs ist, heute aber nur seinen Techniker Rainer Hebenstreit und zahlreiche Gitarren aus aller Welt mitgebracht hat“. Eben sei er zurückgekommen von einer Kreuzfahrt in der Südsee, informierte sie. Das macht Dörsam schon seit Jahren, unterhält die Passagiere mit Gitarrenklängen.

Und das Publikum im Saal kam aus dem Staunen nicht heraus, als Adax Dörsam aus seiner Sammlung die exotischsten Zupfinstrumente vorstellte, darunter eine bolivianische Gürteltier-Charango, ein zehnseitiges Inka-Instrument oder eine türkische Saz.

Sie waren nicht nur optisch eine Augenweide, sondern hatten auch musikalisch viel zu bieten. Dass jemand ein Konzert mit acht Instrumenten bestreitet, das ist ebenfalls etwas Einzigartiges und auch, dass neben der Musik Adax Dörsam die Instrumente einzeln vorführte, ihre Eigenarten beschrieb und Unterhaltsames aus der Entstehungsgeschichte erzählte.

Daneben gab er viele lustige und skurrile Erlebnisse aus seinem Leben preis, aus der Kindheit und Jugend, erzählte von Begegnungen mit anderen Größen der Musikbranche, die in seinen Büchern „Saitenwiese – biografische Notizen“ und „Kammalasse“ zusammengetragen hat.

Zunächst jedoch führte er an der klassischen Gitarre Melodien vor, die seine ersten Jahre geprägt haben, darunter die Ballade des Verbrecherpärchens aus dem Film „Bonnie und Clyde“. Auf der Oud, einer Knickhals-Laute, die von den islamischen Mauren stammt und sehr fein ausgearbeitete Schnitzereien aufweist, spielte er das stimmungsvolle, vom ihm selbst komponierte Stück „Kühler Platz in Kairo“.

Rebell mit konservativen Eltern

Anschaulich stellte Dörsam die Sitar vor, ein Instrument aus Indien, das 18 Saiten hat und in Westeuropa besonders durch Ravi Shankar, der die Beatles beeinflusste, bekannt wurde. Mitte der 1960er Jahre, so Dörsam, erzeugte die buddhistische Philosophie und indische Musik einen Sog, der bis heute zu spüren ist. Dass er offen für die Kultur verschiedenster Völker ist, das verdanke er seinem Elternhaus, erzählte Dörsam. „Obwohl sie konservativ waren, ich hingegen ein typischer Rebell der 1968er mit langen Haaren, habe ich von ihnen Respekt und Hilfsbereitschaft Fremden gegenüber gelernt.“

Das Eingehen auf andere Kulturen war ja auch Thema des Konzerts von Freitagabend, so der Gitarrist, „viele Kompositionen, die wir als echt deutsch empfinden, sind das Ergebnis verschiedenster Einflüsse“. Als Beispiel nannte er Riesenhits von Tony Marshall wie „Schöne Maid“ oder „Bora Bora“, denen Musik aus Tahiti zugrundeliegen. Auch eine weitere Eigenkomposition mit dem Titel „Wolkengespräch“, das alpenländische und orientalische Stilelemente vereint, sei das Ergebnis verschiedenster Einflüsse. Gespielt hat Dörsam das Stück auf einem Hybrid-Instrument, der Harfen-Cister, die 2010 von einem Gitarrenbauer aus Bad Goisern entwickelt wurde.

Wie Adax Dörsam es verstand, mit all den Instrumenten bis zum Schluss, einschließlich der Zugaben, eine solch differenzierte Fülle von Klängen zu zaubern, die bis zum Schluss frisch wirkten, zudem mit bewundernswerter Lockerheit auch sang, sucht seinesgleichen.

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