Ketsch

Schatzkiste des Heimatmuseums (Teil 9) Die Bettflasche aus Messing / Die ersten aus Zink sind aus dem Jahr 1520 bekannt

Wärmender Klassiker gegen kalte Füße

Archivartikel

Ketsch.Einmal am Heizungsventil drehen und heimelige Wärme macht sich breit – noch vor 100 Jahren war das weit gefehlt und kaum denkbar. Wohlig warm, vor allem in den kalten Wintern, wollte man aber wenigstens sein Bett haben. Bis zur heutigen Wärmflasche war es ein weiter Weg.

Die ersten Flaschen für diesen Zweck aus Zink sind um 1520 bekannt. Dass Steine die Wärme über eine lange Zeit speichern können, war bekannt. Findige Zeitgenossen wärmten unförmige Bruchsteine im Feuer und legten sie zwischen die Decken.

Immer mehr wurde die Technik verfeinert und die rohen Steine geschliffen, bis sie eine runde Form hatten. Sie wurden mit der Wurzelbürste komplett sauber geschrubbt. So vorbereitet, gewärmt und in ein Tuch zum Schutz der Bettdecken eingehüllt, gaben sie ihre Wärme an die Laken ab. Später fand man mehr Gefallen an Backsteinen. Diese waren leichter, immer noch groß genug und bereits geschliffen.

Die wärmespeichernde Eigenschaft hatten sie ebenfalls. Damit sie immer gut gereinigt waren, wanderten sie am Waschtag in den letzten Waschgang in den Zuber und wurden dort regelmäßig gesäubert. Weggeworfen hat man sie nie, denn sie waren immer wieder verwendbar. Als direkter Vorfahre der eisernen Bettwärmpfannen, die mit glühender Kohle gefüllt wurden, und der in Zink oder Kupfer, das im 18. Jahrhundert bevorzugtes Material war, ausgeführten wassergefüllten Bettflaschen, hat sich der Bettstein bestens bewährt.

Metall leitet die Wärme

Das Exponat „Bettflasche“ aus dem Heimatmuseum ist aus Messing geformt und wurde mit heißem Wasser gefüllt, so, wie man es heute noch mit den Nachfolgern aus Gummi macht. Das Metall leitet die Wärme aus dem Wasser weiter ans umgebende Bettzeug.

Zum Schutz vor Verbrennungen hat man die Wärmeflaschen häufig in gehäkelte oder gestrickte Überzüge gesteckt. Die heutige, moderne Variante, die Wärmflasche aus Gummi, wird, wie damals, zum Vorwärmen des Bettes, bei Verspannungen und Bauchschmerzen eingesetzt. Für Kinder hüllt man sie in kuschelige Überzüge, die oft mit lustigen Motiven verziert sind. Eine weitere Variation sind die Getreidekörner- und Kirschkernkissen, die im Backofen oder in der Mikrowelle erhitzt werden. zesa

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