Ketsch

Schatzkiste des Heimatmuseums (Teil 12) In Kesseln werden mit Holzstab und Wirbeltechnik Textilien gesäubert

Wäscherin muss rubbeln und stampfen

Archivartikel

Ketsch.Wäsche waschen ist eine Notwendigkeit, die heute sehr komfortabel, quasi „per Knopfdruck“, erledigt wird. Etwas mehr als 100 Jahre ist es her, dass dieser Säuberungsvorgang noch Knochenarbeit war und viel Zeit in Anspruch nahm. Hilfsmittel zur Reinigung der Textilien wurden in dieser Reihe bereits vorgestellt, der Wäschestampfer und das Waschbrett etwa. Im diesem Teil stellen wir das Gefäß vor, in dem stark verschmutzte Wäsche regelrecht gekocht wurde.

Warum der große Topf ausgerechnet als „Wäschekanne“ betitelt wurde ist unklar. Für den Zweck des Zinktopfes gab es eine Erklärung. Er wurde vor der Erfindung der beheizbaren Waschmaschine dazu benutzt, die stark verschmutzte Wäsche, die Leibwäsche und auch die Bett- und Tischwäsche im Wasser auszukochen. Dazu wurde der Topf auf die Herdstelle gehievt, mit Wasser gefüllt und angefeuert. Die Wäschestücke wirbelte die Wäscherin dabei mit einem Holzstab durch das Wasser, dem Waschzusätze zugefügt wurden. Ein Kraftakt an sich, der weiterging, wenn der Topf auf einem niederen Dreibeinbock abgestellt wurde. Zwei stabile Stangen und mindestens zwei Helfer brauchte es, den heißen Wäschetopf in etwa 40 Zentimeter Höhe besser positioniert auf dem kompakten Schemel zu platzieren. Damit erleichterte man der Wäscherin den Rubbel- und Stampfjob, um die Flecken aus den eingeweichten Stoffen zu entfernen. Zudem kühlte die Waschlauge langsam ab, was später das Herausnehmen der Wäsche vereinfachte. Mit dem Bleichen und Trocknen an der Sonne und dem anschließenden Plätten großer Wäschestücke nahm die Aktion eine Menge Zeit in Anspruch. Das Wäscheprozedere ist für die heutige Hausfrau durchaus angenehmer als für unsere Vorfahren.

Übrigens ist bereits seit 22. August 1691 ein englisches Patent für eine Maschine von John Tizack ausgestellt, die neben anderen Einsatzmöglichkeiten auch für das Waschen von textilen Stoffen nutzbar war.

Vollautomatisch ab 1951

1752 beschrieb ein Magazin eine Waschmaschine so: ein Holzbottich, der mit Wäsche und heißem Waschwasser befüllt und mit einem Deckel mit zentralem Loch verschlossen wurde. Durch die Öffnung wurde eine Holzstange geführt, die einen Griff zum Drehen und am anderen Ende eine Holzscheibe mit eingelassenen Holzzapfen besaß, damit wurde die Wäsche bewegt. Eine „Waschmühle“ gab es nachweislich seit 1757, sie wurde in einem Norbertiner-Kloster in der Eifel betrieben. Die erste vollautomatische Waschmaschine für den privaten Haushalt „Constructa“ kam von der Düsseldorfer Maschinenfabrik in Deutschland 1951 auf den Markt – eine gesellschaftliche und auch organisatorische Revolution. zesa

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