Ketsch

Wenn ich grill’, dann grill’ ich

Archivartikel

Ich sage es mal so: „My Home is my Grill“ – und da hat dann auch kein anderer vermeintlicher Grillmeister etwas zu sagen. Doch die Realität sieht zuweilen anders aus. Sie sieht anders aus, weil beim Grillen – ähnlich wie beim Fußball – die Expertendichte immens hoch ist.

Zuletzt weilten zwei dieser Fachmänner rund um unseren Grill. Zwei Bekannte und ich. Während sich die dazugehörigen drei Damen abseits über wirklich Wichtiges unterhielten, meinte Bekannter Nummer eins: „Ich hab’ mir ja jetzt einen Weber Genesis II gekauft. Mit Pizzastein.“ Es gelinge alles ganz wunderbar, freilich auch die Pizza. Mit der App, die es vom Hersteller gebe, sei er stets auf der sicheren Seite. Er bereue nicht einen Euro, zumal er den Grill zum Schnäppchenpreis von knapp 900 Euro erstanden habe.

Das Schwärmen über das Teil – Genesis II hätte ich eher bei „Star Wars“ vermutet, es könnte auch ein Raumschiff mit Grill sein – war wohl für Bekannten Nummer zwei nur schwer zu ertragen. Gleichwohl war auch er aus der Weber-Fraktion. „Mit Gas schmeckt das Fleisch nicht so“, sagte „Nr. 2“ und bemühte, woran sich die Geister scheiden. Er schwöre auf Holzkohle und liebe seinen Weber-Kugelgrill. Über diesen Klassiker gehe nichts. Er halte nichts von diesen „fahrbaren Küchen“, die als „Grill im Speckmantel“ daherkämen.

„Grill im Speckmantel“ fand ich originell. Da „Nr. 1“ aber nicht lachen musste, holte ich schnell neues Bier. Aber apropos Speckmantel: Der Weber von meiner Frau und mir ist in den Boden eingelassen und heißt „Feuerstelle“. Gepaart mit der Applikation „Schwenkgrill“ lässt sich darauf so ziemlich alles zaubern, was im Verdauungstrakt Rang und Namen hat.

Deshalb nahm ich den Herren der Weber-Schöpfung auch übel, dass sie mir im verbalen Wettstreit fortan Tipps gaben, die locker eine Grillmeister-Fibel füllen würde. Ein zartes Gemüt hätte am Ende gezweifelt, ob es das Feuerzeug richtig hält.

Was auf den Tisch kam, fanden die beiden nebst Gattinnen übrigens „sehr lecker“. Aber fürs nächste Mal sage ich es mal so: „You bleibst besser in your Castle.“

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