Ketsch

Geschäftsleben Christine Dewitz von Dewitz und Brill Druck könnte zum 40-jährigen Bestehen der Firma „Druckerin des Jahres“ werden / Erfolgreich durch die Pandemie

„Wir haben sehr viel richtig gemacht“

Archivartikel

Ketsch.Sie sagt es erst ganz am Ende des Gesprächs mit unserer Zeitung: „Ich bin für die Auszeichnung ,Drucker des Jahres’ nominiert.“ Sie sagt es mit stolzer Zurückhaltung. Dabei hat Christine Dewitz ihr Unternehmen in jüngster Vergangenheit so aufgestellt, dass es auch die furchterregenden Klippen der Corona-Krise umschiffen konnte. „Wir haben sehr viel richtig gemacht“, betont die Geschäftsführerin von Dewitz und Brill Druck.

Nach Mannheim-Friedrichsfeld hat die Unternehmerin aus Ketsch den Firmensitz hin verlegt. In der Enderlegemeinde wurde es zu eng. Seit dem Zusammenschluss mit der Druckerei Brill im Juni 2018 wird in Mannheimer Stadtteil produziert. Die Fusion war schon die dritte in kurzer Zeit.

Vor allem ab 2007 galt es mehr und mehr, die Zukunft der Druckerei Dewitz zu gestalten. Da hatte nämlich die Finanzkrise zugeschlagen und das Unternehmen büßte beispielsweise mit einem Schmierstoffhersteller den Hauptkunden zu 90 Prozent ein. Wie sollte es weitergehen? Die Druckindustrie verlegte sich vermehrt ins Internet. Dewitz schrumpfte sich 2009 zunächst gesund. „Als ich nach neuen Lösungen gesucht habe, habe ich früh über Kooperationen nachgedacht“, erzählt Christine Dewitz

2016 kam die Druckerei Hanel dazu, die in den Quadraten in Mannheim ihre Heimat hatte. Die Zwei-Mann-Firma hatte einen tollen Kundenstamm, der übernommen werden konnte. Die heute 56-jährige Unternehmerin merkte, dass solche Zusammenschlüsse ein probates Mittel sind, um weitere Kunden zu generieren.

Seit 2011 war Christine Dewitz außerdem schon im Unternehmernetzwerk BNI aktiv. Daraus resultierte unter anderem der Kontakt zu Peter Köhnlein, Geschäftsführer von Office Mix, das als Bürologistik-Dienstleister überregional tätig ist und auch Drucksachen verkauft. Office Mix jedenfalls war seinerseits auf der Suche nach einer Druckerei. Das eine ergab das andere. 2017 erfolgte der Zusammenschluss, wobei Office Mix Mitgesellschafter der Druckerei wurde. Die Druckerei profitierte fortan auch von den acht Außendienstmitarbeitern, die Türen öffneten, die sonst wohl verschlossen geblieben wären. Christine Dewitz war nun in der Lage, sich auf die Stärken der Druckerei beim Neukundenkontakt konzentrieren zu können, musste keine Kaltakquise mehr betreiben, für die eh kaum Zeit zur Verfügung stand. Gleichsam wurde die Druckerei Grall integriert – will heißen, dass die zwei Mitarbeiter und der Chef in der damals noch in der Enderlegemeinde ansässigen Firma aufgingen.

Christine Dewitz macht keinen Hehl daraus, dass es bei den Zusammenschlüssen nicht zuletzt auf die menschliche Komponente ankam. Doch das passte und passt. Die Geschäftsführerin schätzt ihre Leiterkollegen Peter Köhnlein und Martin Brill. Jeder habe seine Stärken und bringe sie gewinnbringend ein.

Von ihrem Vater Peter Dewitz hatte sie die zunächst als Einzelgewerbe 1981 gegründete Firma 2005 übernommen. Vom Vater lernte sie viel, nachdem sie 1988 ins Unternehmen eingetreten war. Die gelernte Verlagsbuchhändlerin machte 2004 den Abschluss zum Medienfachwirt (IHK) und rückte in die alleinige Geschäftsführung auf, nachdem sie schon Prokuristin gewesen war.

Netter Nebeneffekt

Christine Dewitz ist sich sicher, dass es ihre Druckerei ohne die Veränderungen spätestens während der Corona-Pandemie erwischt hätte. „Es war richtig so, ab 2016 nach vorne zu gehen, sonst würde es uns nicht mehr geben.“ Heute nun entfallen rund fünf Prozent des Umsatzes sogar auf Artikel, die im Zuge der Corona-Pandemie verkauft werden: Hygieneschutzwände oder Luftreinigungsgeräte. Von fünf Prozent kann man freilich nicht überleben – das sei nur ein netter Nebeneffekt, sagt Dewitz.

Zunächst sorgte die Corona-Pandemie auch für einen Sinkflug, der sich bei rund 50 Prozent Umsatzrückgang einpendelte. Kurzarbeit war das Gebot der Stunde. Doch in der neu geschaffenen Struktur war es möglich, die Flucht nach vorne anzutreten. Das „Wir-müssen-neue-Kunden-kriegen“ geht mit einem Außendienst bedeutend leichter. Ein karitativer bundesweit tätiger Verein, ein großes Bauunternehmen und eine Versicherung sind neue Kunden trotz Corona. „Ende Juni ging es wieder so nach oben, wie es vorher runtergegangen war“, berichtet Christine Dewitz, die seit 1986 in Ketsch lebt und zuvor in Schwetzingen wohnte.

Offener Netzshop

Zu den umfassenden Dienstleistungen gehöre heute ein offener Webshop für individualisierte Drucksachen zum Angebot. Dewitz’ Optimismus für die Zukunft ist eher außergewöhnlich für die Druckbranche. Es herrscht seit geraumer Zeit ein gehöriger Verdrängungswettbewerb.

Der Titel „Drucker des Jahres“ wäre sicher eine schöne Bestätigung für Christine Dewitz, die sich auch in der Verbandsarbeit engagiert. Aber den Titel braucht sie nicht unbedingt – am Ende ist es Beiwerk. Sie hat es geschafft, ihr Hauptwerk sehr gut zu erledigen. Und da darf man ohne Zurückhaltung stolz sein: Im Januar, wenn das Jahr des 40-jährigen Bestehens eben begonnen hat, kommt der vierte Zusammenschluss. Mit Dietz-Druck in Heidelberg ergeben sich dann weitere Synergieeffekte. Und die Mitarbeiterzahl wächst weiter, von vier vor Beginn der Zusammenschlüsse auf insgesamt 22.

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