Ketsch

Schatzkiste des Heimatmuseums (Teil 8) In Kolonialwarenläden kam die Tafelwaage zum Einsatz

Zünglein für den Preis

Archivartikel

Ketsch.Ein kleines Prachtstück vergangener Zeit ist die Tafelwaage. Mit zwei Wiegeplattformen ausgerüstet, eine für die Gewichte, die andere (Foto rechts) für ein Behältnis oder einen weiteren Wiegeteller, versah sie ihren Dienst vielleicht einmal in einem Kolonialwarenladen.

Als Kolonialwaren bezeichnete man früher überseeische Lebens- und Genussmittel, insbesondere Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee. Lebensmittelhändler wurden bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Kolonialwarenhändler bezeichnet. Diese Alltagsbezeichnung ist heute ebenso verschwunden wie „Kolonialwaren“ als historischer Fachterminus. Stattdessen spricht man von „außereuropäischen Gütern“.

Oft waren die produzierenden Länder ehemalige europäische Kolonien und heutige Entwicklungsländer. Sie waren vom Export einiger weniger Kolonialwaren abhängig. Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren Kolonialwarenläden weit verbreitet. Heute sind Kolonialwarengeschäfte fast überall von Handels- und Supermarktketten ersetzt worden. Im Namen des Einzelhandelsverbandes Edeka ist die Bezeichnung noch versteckt: „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin“ – kurz E. d. K.“

Vergleich mit Standardgewicht

Unsere Waage also diente einmal dem Abwiegen der verschiedensten Güter. Sie funktioniert über eine Wiegevorrichtung zur Gewichtsbestimmung einer unbekannten Masse durch den direkten Vergleich mit einem Standardgewicht. Diese geeichten Metallgewichte fanden auf der linken Waage-Seite ihren Platz. Während das Wiegegut rechts auf der oft emaillierten Fläche oder in einem entsprechend geeichten Behältnis (siehe Bildhintergrund links eine Metallschütte) lag. Kamen die beiden Metallzungen, die mit den Wiegeplattformen verbunden sind, in der Gerätemitte dicht zueinander, stimmte das Wiegeergebnis und der Preis wurde ausgerechnet. Das „Zünglein an der Waage“ entschied über den Preis.

Ausgelegt war die Wiegevorrichtung bis zehn Kilogramm. Erfunden hat das Wiegesystem der Mathematiker Gilles Personne de Roberval 1669. Seine Tafelwaage besaß einen Unterbalken, den 1847 der Mechaniker Joseph Béranger durch zwei Laschen oder Zungen ersetzte. zesa

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