Ketsch

Diamantene Hochzeit Erich und Ruth Schäfer sind seit 63 Jahren ein Paar / Liebe auf den ersten Blick / Er hat sie samstags mit dem „Buckeltaunus“ abgeholt – sonntags kam er mit dem Fahrrad

Zum Flittern ging es in der „Knutschkugel“ nach Berchtesgaden

Ketsch.Die Schäfers haben heute mächtig was zu feiern: Erich (84) und Ruth (82) sind seit 63 Jahren ein Paar – ihre Liebe haben sie mit der Heirat vor 60 Jahren dokumentiert. Die Diamantene Hochzeit wird bei den Naturfreunden gefeiert. Und das ist sowas von logisch.

Denn Erich Schäfer war 28 Jahre lang Vorsitzender der Naturfreunde in der Enderlegemeinde, zwölf Jahre ihr Wanderwart und maßgeblich am Bau des Holzhauses beteiligt, wo heute die Gaststätte zu finden ist. 1951 trat er in den Verein als eines der ersten Mitglieder ein. „Ich hätte gerne die 30 Jahre als Vorsitzender voll gemacht, aber meine Frau hat gesagt, dass es reicht und ich kürzer treten soll“, sagt Erich Schäfer und lacht.

„Er ist ein Gemütsmensch“

Ruth Schäfer nickt dazu und bestätigt nachträglich ihr Verlangen, „du warst ja auch ständig dort“. Hört man da etwa Ungereimtheiten durch? Mitnichten, vielmehr: „Er ist ein Gemütsmensch und ich bin ein Skorpion“, erklärt Ruth Schäfer. Es passe einfach, zumal sich die Sternzeichen Krebs und Skorpion prima vertrügen, wie Ruth Schäfer weiß.

Zum Tanzkränzchen eingeladen

„Ein Schritt nach hinten und zwei nach vorne“ – so habe er auch als Vorsitzender gehandelt, sagt Erich Schäfer und beschreibt die tollsten Wanderungen im Kreise der Naturfreunde, beispielsweise die Höhenwanderung auf dem berühmten Westweg von Pforzheim nach Basel. Und für ihn war es damals Liebe auf den ersten Blick, als er seine Ruth in Reilingen erblickte. Seine Eltern hatten ein Textilgeschäft in der Gutenbergstraße und er fuhr zu den Kunden in Reilingen – und dann sah er sie. „Beim Tanzkränzchen in Ketsch waren wir mehr Männer als Frauen. Und da habe ich sie eingeladen.“ Ruth Schäfer will nicht von Liebe auf den ersten Blick sprechen, aber es habe schon etwas gehabt, wenn er mit dem „Buckeltaunus“, wie der Ford Taunus G93A genannt wurde, gekommen sei, um sie abzuholen. „Es hatte ja nicht jeder ein Auto.“ Immer samstags sei ihr Erich mit dem Auto gekommen und an den Sonntagen dann mit dem Fahrrad, weil der Vater das Fahrzeug für sich beansprucht habe.

Ja-Wort in Retscherkirche

Geheiratet haben die Schäfers standesamtlich in Reilingen und kirchlich in Speyer in der Retscherkirche, wie die Gedächtniskirche auch genannt wird. „Der gotische Baustil hat uns gleich gefallen“, sagt Ruth, auch ihre Eltern und Tochter Doris hätten in der evangelischen Kirche geheiratet. Erich Schäfer berichtet lachend von den Hochzeitsfeierlichkeiten in Reilingen, die das Paar bis 16 Uhr mitgemacht habe, um dann in die Flitterwochen zu starten. „Das würde man heute nicht mehr machen“, sagt Erich Schäfer, sein Schwiegervater habe schon damals gescholten.

„Wir sind mit dem BMW vor dem Hotel in Baden-Baden vorgefahren“, fährt er fort. Klingt erstmal protzig, war aber bodenständig, denn es sei eine BMW Isetta gewesen – Erich Schäfer muss herzlich lachen. Es sei dann weitergegangen nach Berchtesgaden und an den Königssee, alles in der „Knutschkugel“, wie man zur Isetta sagt. Beim Bergabfahren sei einem das Gepäck im Nacken gelegen, sagt Schäfer und grinst.

Bei den Naturfreunden wird der Ehrenvorsitzende mit seiner Frau viel Freude haben, zumal neben Tochter Doris (57) Sohn Thomas (56), der den Getränkehandel seines Vaters fortführt, mit den vier Enkeln und dem Urenkelchen gratulieren werden. mab

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