Ketsch

Schatzkiste des Heimatmuseums (Teil 11) Der Siegeszug des Quirls führt über viel Muskelkraft für Varianten des Handrührgeräts

Zwei dickbäuchige Besen mit Kurbel

Archivartikel

Ketsch.Luftiges Baiser und fluffige Sahne – dafür und für Teige aller Art braucht es ein Rührgerät. Während heute moderne Küchenmaschinen die schlagende Arbeit übernehmen, musste vor 150 Jahren noch mühsam mit zusammengebundenen entrindeten Zweigen, einem Büschel Federn die Luft in Eiweiß oder Sahne eingearbeitet werden.

Köche verwendeten Messer mit breitem Rücken oder Löffel dafür. In der Renaissance wurde der Eischnee als Backtriebmittel entdeckt, waren viele Süßspeisen mit geschlagenem Eiweiß oder cremigem Eigelb verfeinert. Allerdings entwickelten sich die Haushaltsgeräte nicht parallel dazu weiter und es wurde wenig effektiv mit den bereits benannten Mitteln, dafür mit mehr Personal zum Aufschlagen, gearbeitet.

Der Schneebesen wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts zum gebräuchlichen Haushaltsgerät, eine Abbildung in einem Kochbuch aus dem Jahr 1570 zeigt ein dem Schneebesen sehr ähnliches Gerät – Weiteres über die Entstehung ist nicht überliefert.

Nach der Industriellen Revolution ging die Zahl der Dienstboten in den Häusern zurück und der technische Fortschritt voran – günstige Haushaltshelfer wurden entwickelt. So ist das erste Handrührgerät 1856 in Baltimore, Maryland, bekannt. Zwei dickbäuchige Rührbesen, die mittels eines Handrades mit Kurbel angetrieben werden, erleichtern die Aufschlagarbeit.

Gleich vier Aufsätze

Die Form findet sich noch heute bei mechanisch zu betreibenden Handmixern. Im Heimatmuseum finden sich verschiedene Exemplare, darunter der typische Handquirl vergangener Zeit, aber auch ein metallener Topf auf den ein Kurbelmechanismus aufgebracht ist, der gleich vier Rühraufsätze antreibt.

Auch der Schneebesen veränderte sich äußerlich: dickbauchige Varianten gibt es, aber auch spiralförmige und Modelle, die aus einzelnen Drähten mit kugelförmigen Spitzen bestehen. Die echte Revolution und Zeit- sowie Kraftersparnis brachten erst die elektrischen Handrührgeräte, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts langsam auf den Markt kamen.

Rufus Eastman entwickelte 1885 das erste elektrische Rührgerät, das aber wegen des noch nicht flächendeckenden Stromnetzes wenig verbreitet wurde. So gelang der Siegeszug des Quirls erst mit einer Industriemixmaschine aus dem Jahr 1908. Im Laufe der Jahre wurden die Geräte kleiner. 1919 war es wieder die Hobart Manufacturing Company, die mit dem „KitchenAid-Hobart-Modell H-5“ ein haushaltstaugliches Modell herausbrachte. 1952 kam der MixMaster der Firma Sunbeam auf den Markt, der in Design und Funktion den heutigen Geräten entsprach – die Grundlage für das moderne elektrische Rührgerät. zesa

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