Kommentar

Benjamin Jungbluth wünscht sich eine größere Beteiligung des Staates

Öffentlich anerkennen

Archivartikel

Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten für die Opfer von Straftaten verbessert: Polizei und Gerichte nehmen ihre Ängste ernst, vermitteln Ansprechpartner und Hilfen. Auch im Prozessrecht können die Opfer dank Nebenklage und Anrecht auf psychologische Unterstützung besser ihre oft traumatischen Erlebnisse aufarbeiten. Dass sich so vieles geändert hat, liegt zum Großteil an zivilgesellschaftlichen Organisationen, in denen sich Ehrenamtliche einbringen. Und genau da liegt das Problem.

Denn während der Staat schon lange aufseiten der Täter aktiv wird – ihnen etwa einen Pflichtverteidiger stellt, müssen sich die Opfer für ihre eigentliche Unterstützung an private Organisationen wenden. Diese werden zwar wohlwollend behandelt, und die Rechte des Angeklagten zu wahren ist eine große Errungenschaft des Rechtsstaates. Doch für die Opfer bleibt der Beigeschmack, dass es erst zivilgesellschaftliches Engagement braucht, um ihnen zu helfen. Eine stärkere Beteiligung des Staates würde hier für Ausgleich sorgen – und den Opfern das Gefühl geben, öffentlich anerkannt zu werden.

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