Kommentar

Adieu, „Annus horribilis“!

Archivartikel

Gert Häusler macht sich so seine Gedanken über Rätselkalender

Die Jahresrückblicke haben Hochkonjunktur. TV-Sendungen, Zeitungen, Magazine und Jahrbücher betrachten die jüngste Vergangenheit. Und „spielerisch“ endet das Jahr ebenfalls: Mit Fragen und Erklärungen, die sich etwa in Kreuzworträtseln finden. Hier galt eine Frage dem „Annus horribilis“, mit dem die Queen einst das für sie besonders schreckliche Jahr 1992 bezeichnet hat. Damals stand eines der königlichen Schlösser in Flammen, ein explosives Buch über Prinzessin Diana erschien und es wurde diskutiert, ob das Königshaus die Millionen aus der Staatskasse überhaupt wert sei. Der Ausdruck, inzwischen fest mit der Queen verbunden, gilt ganz sicher für dieses in eine ungewisse Endrunde gehende und aufwühlende Jahr 2020.

Die Themen in den Rückblicken sind überschattet von Corona. Mit den für ganze Generationen bisher nicht vorstellbaren Auswirkungen führte das Jahr bei manchen zwar „nur“ zu unliebsamen Einschränkungen im Tagesablauf und im Zusammenleben mit Familie und Freunden. Andere stehen dagegen vor existenziellen Bedrohungen.

Die Süddeutsche Zeitung hatte in ihrem virtuellen Adventskalender hinter jedem Tag ein bestimmtes Thema versteckt, gepaart mit einem Wissenstest. Und scheinbar ganz banale Themen waren am Ende auch wieder mit Corona vereint. Es ging zum Beispiel um den FC Bayern und das Triple, den 250. Geburtstag von Beethoven und was die Telekom sich einfallen ließ (die unvollendete 10. Symphonie wurde durch Künstliche Intelligenz beendet), das Verhältnis von Radfahrern und Verkehrsplanern, „Diesel-Managern“ vor Gericht oder den Wunsch von Diego Maradona zur Inschrift auf seinem Grabstein (Dank dem Ball). Doch bei sonst bierseligen Fragen zur (abgesagten) Wies’n ist das Virus im Hintergrund. Bei Homeoffice und Homeschooling wird es manchen im Nachhinein, aber aktuell auch schon wieder ganz mulmig. Selbst in der Promiecke wird gefragt, wer von den Stars welchen Corona-Verschwörungstheorien anhängt. Die Tiraden des gerade noch omnipräsenten amerikanischen Präsidenten werden überstrahlt durch tragische Corona-Entwicklungen. Manche der Einlassungen wirken angesichts der Lage denn auch wie aus der Zeit gefallen.

Noch zählt dieses Jahr ein paar wenige Stunden und wir wissen alle nicht, was das neue bringen wird. Hoffen wir auf eine realistische Chance auf ein „normaleres“ Leben und 2021 auf Rätselkalender mit bunteren Fragen, etwa wie der Problemwolf hieß, der bei einem Autounfall ums Leben kam (GW 924 m), und ob Natalia Wörner oder Isabel Schnabel (richtig) die neue deutsche Direktorin bei der Europäischen Zentralbank ist.

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