Kommentar

Alle Jahre wieder?

Archivartikel

Gert Häusler über die Haltbarkeit von „Aufregerthemen“

Keine Angst, ich will nicht auch noch über die Zeitumstellung schreiben und die Mühe und Last die diese der geplagten Menschheit verschafft. Man konnte ja kurz vor und nach diesem „Ereignis“ überall wieder alles zu diesem Thema lesen und manche Mitmenschen werden auch weiter ungefragt von negativen Einflüssen berichten.

Aufregerthemen, und wir regen uns ja über vieles auf, haben aber inzwischen eine immer kürzere „Verfallszeit“. Was heute noch Zeitungsspalten und TV-Sendungen beherrscht und Shitstorms im Internet auslöst, ist nach kurzer Zeit wieder vergessen. Es spielt da leider keine Rolle, ob es um die Luxusuhr einer Politikerin oder um hungernde Kinder in Krisengebieten geht. Die Informationsmaschinerie ist gnadenlos und mündet nicht selten in der derben Fragestellung welche „Sau jetzt durchs Dorf gejagt wird“.

Der schnelle Wechsel bedeutet auch meist, dass die Themen nur noch oberflächlich und im etwas erweiterten Schlagzeilenformat angegangen werden. Der Grundsatz der Nachrichtenmacher in Rundfunk und Fernsehen „Ist der Korrespondent auch noch so fleißig, nie über Einsdreißig“ verdeutlicht diese Häppchenkultur, über eine Minute und dreißig Sekunden darf ein Beitrag in der Regel nicht sein. Dass man sich als Zuschauer und meist Nichtfachmann dadurch nur ein oberflächliches oder oft gar kein Urteil bilden kann, liegt auf der Hand und in Zeiten von Twitter & Co. wir die Lücke noch größer. Es ist vielleicht auch ein Luxus, wenn man sich über brennende Themen etwas ausführlicher informiert, einen Hintergrundartikel liest oder eine Dokumentation anschaut. Unsere wahren Probleme liegen sicherlich nicht in der Zeitumstellung, wenn sie denn bleiben sollte. Das wäre dann wieder ein „Aufreger“ beim nächsten Mal.

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