Kommentar

Alle reden vom Wetter

Gert Häusler über einen längst vergangenen Werbeslogan

Werbeleute sind dafür anfällig, mit ihren „Botschaften“ gelegentlich den Mund etwas voll zu nehmen. In diesen unruhigen Wetterzeiten wird auch der einstige Kultspruch aus der Bahnwerbung wieder in Erinnerung gerufen: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Einige Jahre war die Bahn mit dieser Werbung ja allgegenwärtig. Bis sie dann von Orkanen wie Kyrill mit der totalen Einstellung des Zugverkehrs oder Sturm Lothar ausgebremst wurde.

Inzwischen fahren die Züge zwar unter Idealbedingungen viel schneller als früher, dafür hat „High-Tech“ ihren Preis. Gefühlt sind Störungen im Bahnverkehr inzwischen Normalität: Es kann zu heiß oder zu kalt sein, Teile der Zugtechnik funktionieren nicht oder die Software der Streckenführung bereitet Probleme und lässt sich nicht mit ein paar Handgriffen reparieren.

Den wartenden Reisenden auf den Bahnhöfen oder in den defekten Zügen mitten auf der Strecke, nützt dann auch der Verweis auf die verstopften Straßen nicht weiter. Es ist daher sicher besser, wenn die Bahn vorsorglich und rechtzeitig auf Behinderungen aufmerksam macht und manche Fahrten streicht, statt Chaos während der Reisen zu verursachen. Um wieder zur Werbung zu kommen: Interne technische Probleme sollte die Bahn möglichst geräuschlos und ohne Marketingsprüche lösen. Bahnfahrer werden die „normale“ Pünktlichkeit schätzen und für Störungen durch Naturgewalten auch mehr Verständnis haben.

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