Kommentar

Bis zu hundert Prozent

Archivartikel

Gert Häusler über eine vielseitige Zahl in vielen Lebensbereichen

Wie ein Kaninchen die Schlange starrt man sie oft an, denn sie können schicksalhaft sein: Prozentsätze und Prozentzahlen. Verteufelt und hochgejubelt, gehätschelt und verleugnet, lassen sie kaum jemanden kalt. Zu beobachten ist dies stets im Wahlkampf und nach den Wahlen. Wir können auf die nächste Zeit gespannt sein.

Auch im Geschäftsleben spielen die Prozente in vielen Bereichen eine große Rolle: Bei Vergütungsplänen mit Vorgabe von Zielerfüllungen haben sie finanzielle Auswirkungen. Da wird dann ebenso wie in der Politik um Prozentzahlen gefeilscht, hin- und hergerechnet und interpretiert. Obwohl manche mit den Prozentzahlen so ihre Probleme haben, wird mit ihnen eigentlich nur das Verhältnis zu einem Grundwert ausgedrückt. Sie sind mit Formeln auch gut zu berechnen und damit eindeutig. Aber was dann viele Politiker an Wahlabenden trotzdem aus solchen Zahlen machen, ist immer wieder zum Staunen: Es gibt ja bei Wahlen offensichtlich nur Sieger, selbst wenn man verloren hat. Eher selten gestehen nämlich Kandidaten eine Niederlage ein, weil sie danach meist recht schnell vom Fenster weg sind.

Hohe Prozentzahlen werden auch bei Wachstumsraten oder Tarifabschlüssen angestrebt. Im negativen Bereich gilt die Prozentrechnung aber genauso, etwa bei Kurzarbeitsquoten, Infektionszahlen, oder Klimawerten. Für den Handel sind Rabattprozente oftmals zum Abverkauf der Ware notwendig. Doch verschaffen sie nicht nur Wohlgefallen, denn was die Kunden gerne einsparen, fehlt den Händlern am Ertrag. Auch die kleine Schwester der Prozente, die Promille, sorgt nicht immer für Freude: Führt doch vor allem „Hochprozentiges“ gelegentlich zu Promillewerten. Die sind nicht nur ungesund und im Straßenverkehr gefährlich, sondern können auch teuer werden. Manchmal kosten sie dann Prozente des Einkommens in Form von „Tagessätzen“.

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