Kommentar

Bitte alle abholen

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Viele Menschen bangen seit Monaten um ihr Leben. Ein falscher Kontakt – und die Folgen könnten lebensbedrohlich werden. Deshalb war die Nachricht eines Impfstoffes ein Lichtblick. Besonders ältere Menschen, die Risikogruppe, atmet durch.

Und dann? Die Telefonleitungen glühen heiß. Wer endlich durchkommt, muss einige Fragen beantworten. Bürger, die Probleme mit dem Gehör haben, legen da oft schon auf. Die Internetplattform für die Anmeldung eines Impftermins können die wenigsten Menschen, die älter als 80 Jahre sind, bedienen. Wer keine Angehörigen hat, ist also aufgeschmissen. Mehr Möglichkeiten gibt es aktuell nicht. Wer also weder mit dem Telefon noch mit dem Internet umgehen kann, bleibt auf der Strecke.

Dieser ganze Prozess muss menschlicher werden. Oft sehen wir nur die Zahlen. Aber hinter diesen Zahlen stehen echte Schicksale. Senioren, die sich nicht fragen: Wann kann ich wieder in einer Bar am Tresen sitzen oder tanzen gehen? Sondern die hoffen, dass sie mit dieser Impfung ihr Leben verlängern.

Momentan sind alle Impfdosen verplant. Aber bald wird es Nachschub geben – und dann müssen alle Menschen aus der Risikogruppe die Möglichkeit haben, diese Chance für eine Impfung zu nutzen. Und auch einen Bustransfer sollte es bis dahin geben. Sonst fühlen sich die Betroffenen im Stich gelassen. Dann stehen sie an der Impfhaltestelle – und werden einfach nicht abgeholt.

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