Kommentar

Der „goldene“ Ausgleich

Gert Häusler macht sich Gedanken das richtige Maß – selbst bei Hobbys

Manchmal stellen Menschen sich vor, wie ihr Leben ohne die stetigen Zwänge der Berufs aussähe und was sie mit der gewonnenen Freizeit anfangen könnten. Manchen fällt da wenig ein, wie man aus Umfragen weiß, andere wiederum stürzen sich förmlich in Aktivitäten. Man kennt es aus der Häufung von gleichartigen Todesanzeigen: Der Verstorbene war in allen denkbaren Vereinen dabei – und das oft nicht nur als passiver Mitläufer, sodass daraus glatt eine Vollzeitbeschäftigung wurde.

Nun verdient das Ehrenamt mit seiner Bedeutung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft alle Anerkennung. Was ist aber bei allem Tun das richtige Maß? Wird durch die überaktiven Tätigkeiten die Familie nicht teilweise wieder so zurückgelassen, wie vielleicht früher im Berufsleben?

Eine überregionale Tageszeitung hat in diesem Zusammenhang über eine besondere Gruppe von Menschen berichtet: Dauerzuschauer bei Gerichtsverhandlungen. Zuschauer gibt es bei jeder öffentlichen Gerichtsverhandlung – Männer und Frauen gleichermaßen kommen, wenn ein spektakulärer Fall verhandelt wird oder regionale Bezüge gegeben sind. Bei größeren Gerichten gibt es oft einen harten Kern, meist Männer und Rentner, die jeden Tag im Gericht erscheinen. Wie früher zur Arbeit, gehen sie morgens pünktlich aus dem Haus und kennen „ihr“ Gericht, die Richter, die Staatsanwälte und die Justizmitarbeiter. Zur Mittagspause geht’s in der Gerichtskantine und anschließend erleben sie wieder stundenlang die Aufarbeitung von blutigen Gräueltaten und Wirtschaftskriminalität. Im Gerichtssaal sind sie als „Experten“ eine lockere Gruppe, Tag für Tag.

Bleibt die Frage, was extreme Hobbys mit den Menschen machen. Mediziner sagen ja, dass eines der Rezepte für ein gesundes Leben eine gute Mischung zwischen An- und Entspannung in einem intakten Umfeld ist. So ist die goldene Mitte wahrscheinlich zwischen den Intensivhobbybetreibern und den eher desinteressierten Wenigtuern. Für unser Miteinander wär es gut, wenn möglichst viele, ob jung oder alt, diesen „goldenen“ Ausgleich finden.

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