Kommentar

Der kleine Finger

Archivartikel

Gert Häusler über Verhaltensmuster, die auch in Krisen bleiben

Als jetzt die Bundeskanzlerin Ergebnisse des Abstimmungsgespräches mit den Ländern zu Corona erläuterte, war das Echo schon abzusehen: Bewusstes Handeln für das Ganze stößt sich an Einzelinteressen. So wie auf Gruppenfotos fast jeder zwangsläufig als erstes auf sich selbst schaut, ist der Reflex für das Eigeninteresse auch bei Vorschlägen und Regelungen da.

Dagegen wäre auch nichts zu sagen, wenn vor dem munteren „drauflosreden“, erst einmal objektiv nachgedacht würde. Ein Tag später käme man mit seiner Einschätzung immer noch nicht zu spät und könnte mit mehr Substanz zum Thema beitragen. Die leichtfertigen Zündler bekommen eine Plattform und die gedanklichen Schnellschüsse nehmen zu. Mancher kennt ja aus endlosen Konferenzen den leidvollen Spruch „Es ist alles gesagt – aber nicht von jedem“. Jetzt ist das mit großem Publikum täglich im Fernsehen zu erleben.

In den „Spezial“-Sendungen kommen stets aufs Neue die absonderlichsten Aspekte zur Sprache, garniert mit munteren Theorien und Behauptungen. Werden, wie derzeit, behutsam die Bedingungen gelockert, um nicht den Erfolg der bisherigen Einschränkungen wertlos zu machen, dann fordert man statt dem „kleinen Finger“ gleich „die ganze Hand“. Am liebsten soll alles sofort freigegeben werden.

Auch bei der Frage, wann „es“ denn endlich vorbei sein wird, verhalten sich manche so, als wären sie im Besitz einer Glaskugel, durch die man die Zukunft sehen kann. Wir sollten die notwendige Geduld aufbringen und die Schritte positiv mitgehen.

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