Kommentar

Die Bahn und die Bürokratie

Jürgen Gruler ärgert sich über einen wahren Schildbürgerstreich

So ist das halt, wenn die Bürokratie in ihrer ganzen deutschen Härte zuschlägt! Da werden für viel Geld die Bahnsteige so umgebaut, dass ein Rollstuhl ebenerdig von der S-Bahn auf den Bahnsteig fahren kann – und umgekehrt. Dann darf er aber nicht an einem Pfosten, an dem die Oberleitungen hängen, vorbeifahren, weil der Platz zum Gleis angeblich zu eng ist. Und dahinter ist dann der Aufzug, der ebenfalls für viel Geld installiert wurde und dafür sorgen sollte, dass der Rollifahrer in den Tunnel gebracht wird, aus dem er ohne fremde Hilfe wegen des Streits um die Kosten zwischen Eisenbahnbundesamt und Gemeinde nicht mehr wieder Richtung Ortsmitte herauskommt. Im Länderspiegel im ZDF hätte das beste Chancen, zum „Hammer der Woche“ gekürt zu werden.

Das glaubten wir jedenfalls zu Beginn unserer Recherche. Jetzt sind wir schlauer. Der Rollifahrer darf vorbeifahren, aber nur auf einer Seite. Und der Text auf dem Schild ist nur so verwirrend, weil es kein anderes zugelassenes Schild gibt, das dem Rollifahrer sagt, was er wirklich tun soll. Wie gut, dass es da die Zeitung gibt, die Rollifahrer aufklärt – und von auswärts wird schon keiner nach Oftersheim anreisen, oder?

Das ist schon ein echter Schildbürgerstreich, den die Deutsche Bahn da mit dem Geld ihrer Fahrgäste und mit unser aller Steuergeld produziert. Da kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln und darauf hoffen, dass Verkehrsminister Scheuer mal nach Oftersheim kommt und anschließend Bahnchef Richard Lutz kräftig die Ohren langzieht für so viel Unsinn.

Leidtragende sind die Menschen, denen Teilhabe wichtig ist, die nicht ständig auf die Hilfe anderer angewiesen sein wollen, wenn sie mal barrierefrei mit der S-Bahn nach Mannheim oder sonst wohin fahren wollen.

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