Kommentar

Die gute alte Gewohnheit

Jürgen Gruler wirbt für eine bessere Verteilung der Familienanzeigen

Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Und so ist das auch mit der Zeitung. Als diese Woche ein Fehler in der Druckerei und deren Vorstufe dazu führte, dass die Todesanzeigen nicht auf der Rückseite des ersten Zeitungsteils, des sogenannten ersten Buches zu finden waren, war die Verwirrung groß. Ein Leser hat uns gar Pietätlosigkeit vorgeworfen, weil auch gestern Kulturartikel über Todesanzeigen standen, die wir dann wieder auf der richtigen Seite hatten.

Aber das ist eben keine Todesanzeigenseite, sondern die Rubrik heißt schon seit 100 Jahren in ganz Deutschland Familienanzeigen. Da gehören Geburten, Hochzeiten, Todesanzeigen und Danksagungen hinein – das, was man im Fachjargon wegen ihrer Ursache gute und schlechte Familienanzeigen nennt.

In den letzten Jahren hat sich ein Trend verstärkt. Fast alle Inserenten wollen ihre Todesanzeige unbedingt am Samstag in der Zeitung haben, da reicht dann meist die eine Seite gar nicht aus, wir müssen auf eine weitere Seite an anderer Stelle ausweichen. Dabei würde die Anzeige für den lieben Angehörigen,um den man trauert, an einem Montag, Dienstag oder Mittwoch viel stärker auffallen – das zeigen alle Studien.

Wir haben uns dazu entschlossen, bei wenig Anzeigenaufkommen diese Seite mit vornehmlich kulturellen Artikeln aufzufüllen und wir finden das auch nicht pietätlos sondern versuchen nur, dem Leser einen Zusatznutzen zu geben und den Platz nicht durch eine Füllanzeige zu vergeuden.

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