Kommentar

Die Sache mit Riesenspinnen

Archivartikel

Gert Häusler über Ängste vor tierischen Besuchern

Keine Angst vor großen Tieren – das war der Titel eines deutschen Spielfilms aus der Schwarz-Weiß-Zeit des Kinos, damals ging es um die Erbschaft von drei Löwen und vor denen sollte man auf jeden Fall Respekt haben. Angst haben aber viele Menschen mehr vor Mäusen und Insekten als etwa vor Katzen oder mittelgroßen Hunden, obwohl es ja bekannt ist, dass Größe und Aussehen eines Tieres nichts über seine Gefährlichkeit aussagen muss.

Neben den Mäusen rufen in Gebäuden insbesondere die Spinnen oft panikartige Reaktionen hervor. Die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) ist eine der weltweit verbreitetsten Phobien. Menschen, die unter dieser Angststörung leiden, haben oftmals eine stark verminderte Lebensqualität. In den Keller oder auf begrünte Balkone gehen sie nur ungern und prüfen auch jedes Zimmer zuerst auf Spinnen. Wissenschaftler forschen noch nach der Ursache der Furcht vor den zumindest bei uns meist harmlosen vielbeinigen Krabblern. Bisher haben sich als Haupttheorien die für den Betrachter unkontrollierbare, geräuschlose und sehr schnelle Fortbewegungsart und bei Kindern das „Vorbild“-Verhalten der Eltern herausgestellt.

Zur Verbesserung ihrer Situation sollten Spinnenängstliche sich zunächst bewusst machen, dass dies sehr nützliche Tiere sind, die mit ihren kunstvollen Spinnennetzen Fliegen und Käfer fangen und zum ökologischen Gleichgewicht beitragen. Im Gegensatz zu von einschlägigen Publikationen gern geschriebenen Horrorartikeln will die harmlos an einer Zimmerdecke sitzende Spinne nichts vom Menschen, sondern flüchtet eher aus Angst vor dem größeren Wesen.

Hilft jedoch auch die Beschäftigung mit den positiven Seiten der Spinne bei der Verminderung der Angststörung nicht, ist die Konsultation von Fachleuten angeraten. Es könnten sich sonst noch weitergehende gesundheitliche Schäden ergeben. Die Überschrift „Riesenspinnen“ hat dann auch etwas mit dieser Furcht zu tun: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Spinnen bei Angststörungen größer empfunden werden, als sie tatsächlich sind. Drum schauen Sie sich ihre nächste Spinne doch einmal in aller Ruhe an.

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