Kommentar

Eidgenosse verschollen

Archivartikel

Katja Bauroth trauert mit einer Freundin um deren Hünen

Es ist ein wunderbar warmer Sommertag. Genau richtig, um am schönen Hohwiesensee zu chillen. So denkt sich das eine liebe Schweizer Freundin, die jedes Jahr gerne in ihre langjährige Heimat, die Kurpfalz, zurückkommt und bei Sonnenschein stets an diesem, ihrem Lieblingsbadesee anzutreffen ist. Diesmal hat sie ihr neues Stand-up-Board mit allem Zubehör mitgebracht – so, wie sich das für einen Eidgenossen gehört, in den Schweizer Landesfarben Rot-Weiß. Ein schickes Teil, das zwischen den in Deutschland zumeist blauen Boards auf den Seen auffällt. Und welch Freude sie beim Dahingleiten über das Wasser hat! Warum sie das nicht schon früher für sich entdeckt hat, dieses Stand-up-Paddeln, fragt sie sich immer wieder, ihr Board liebevoll am Strand in der Sonne neben sich liegend. Die beiden, das wird schnell deutlich, sind unzertrennlich. Sie nennt es liebevoll „Crane“, sein Taufname sozusagen. In der Schweiz sehr bekannt, gilt als Testsieger im Vergleich mit Artgenossen. Daher ist es auch kein Wunder, dass sämtliche „Cranes“ feste Sportpartner gefunden haben.

Damit sie ihren neuen Drei-Meter-Hünen nicht immer mit zum Quartier schleppen beziehungsweise „entlüften“ muss, bittet sie den Bademeister am Hohwiesensee, den rot-weißen Liebling doch für die Zeit ihres Deutschlandsaufenthalts Asyl zu gewähren. Das macht er gerne, bietet eine Board-Schlummerecke hinter dem Bademeisterhäuschen an – ganz ausdrücklich auf eigene Verantwortung der Eigentümerin natürlich.

Drei Tage lang frönt die Freundin mit ihrem Board den Paddelfreuden auf dem Hohwiesensee. Dann der Schock: An Tag vier ist das Stand-up-Board aus seiner Schlummerecke verschwunden. Keiner kann sich erklären, wo es hingekommen ist, alle sind ratlos, genauso wie die Schweizer Freundin. Ist tatsächlich jemand so dreist und klaut ein hierzulande so auffälliges Board?

Scheinbar. Ihr „Crane“ ist nicht wieder aufgetaucht, trotz intensiver Suche. „Wer weiß, welche Abenteuer es jetzt erlebt“, sagt die Freundin immer wieder traurig beim Blick auf Fotos, die den aufgeblasenen Liebling an ihrer Seite zeigen. Sie ist nicht böse auf denjenigen, der es sich ausgeliehen hat, er wird seine Gründe haben. Und jedes Mal, wenn er auf ihrem „Crane“ steht, bekommt er vielleicht weiche Knie . . .

Wie auch immer: Die Schweizer Freundin macht dem „Ausleiher“ sogar ein Angebot: Das nötige Zubehör – Finne, Paddel, Pumpe, Sitz und Rucksack, alles neuwertig – könne er zum Schnäppchenpreis von 299 Euro bei ihr abholen. Den Kontakt stellt diese Zeitung gerne her. Und wenn das Board einfach irgendwann wieder in der Schlummerecke hinterm Bademeister-Häuschen am Hohwiessee liegt, sorgt das für noch mehr Freude.

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